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Ehrenbürgerwürde für Henning J. Claassen

geschrieben von Natascha Fouquet im Mai 2017

Erst 15 Mal wurde sie seit 1932 an Lüne­burger Bürger verliehen, die sich um die Hansestadt verdient machten: die Ehren­bürgerwürde — das letzte Mal am 1. April 2017. In Empfang nehmen durfte diese höchste Bürger­auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat, Henning J. Claassen, Lüneburger Unternehmer, Hotelier und Mäzen.
Rund 200 geladene Gäste begleiteten den Festakt im Huldigungssaal des Rathauses, folgten in der Laudatio von Oberbürgermeister Ulrich Mädge den zahlreichen Lebensstationen des Ehrenbürgers: Geboren wurde Henning J. Claassen 1944 als Sohn eines Lüneburger Bäckermeisters. Im Alter von 20 Jahren verließ er seine Heimatstadt nach der Ausbildung zum Industriekaufmann — an Bord eines Frachters ging es quer über den Atlantik, sein Ziel: Los Angeles. Das Studium der Wirtschaft und der Psychologie absolvierte er in den USA, verdiente sich mit der Reparatur von Schreibmaschinen sein Taschengeld, bevor es ihn 1967 zurück nach Lüneburg zog. Geblieben sei ihm aus diesen Jahren in der Fremde vermutlich die Überzeugung, dass man einfach loslegen muss, wenn man eine Vision hat und das Risiko nicht scheuen darf, so Mädge. An diese Grundhaltung habe sich Henning J. Claassen sein Leben lang gehalten.
Er machte sich als Firmeninhaber der börsennotierten Impreglon AG einen Namen, schenkte der Stadt mit dem Hotel Bergström und dem Hotel Altes Kaufhaus im Wasserviertel zwei exzellente Gästehäuser, ließ das Palais am Werder zu Konferenzräumen herrichten, die Abts- und die Lüner Mühle sanieren und sorgte mit der Restaurierung des Forsthauses Rote Schleuse im Lüneburger Tiergarten einmal mehr für den Erhalt Lüneburger Architekturgeschichte. Zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze sind in diesen Unternehmen geschaffen worden. Hinzu kommt ein breites Engage­ment im sozialen und kulturellen Bereich.
Was treibt einen wie ihn zu diesem unermüdlichen Engagement zum Wohle seiner Heimatstadt Lüneburg? „Durch meine geschäftlichen Tätigkeiten habe ich viele schöne Städte in aller Welt kennengelernt und in einigen auch gelebt“, so Claassen. „Die Kombination einer lebendigen sich weiter entwickelnden Mittelstadt mit einem erhaltenen wunderschönen historischen Stadtkern, der zum Bummeln und Einkaufen einlädt, habe ich nur hier gefunden. Ich fühle mich manchmal wie ein Storch, der jedes Jahr in die Ferne fliegt, um nach einer gewissen Zeit in sein Nest zurückzukehren.“
Ein Engagement, das Visionen braucht, Durch­haltevermögen voraussetzt und Investitionen in Millionenhöhe fordert. Letztere ließen sich auch anderweitig gewinnbringend anlegen, doch gibt es Menschen, die ihre Freude am Schönen von Herzen gerne teilen. Henning J. Claassen hat dies bereits mit seiner Kunstsammlung bewiesen, die er mit der Errichtung seiner Galerie im Alten Kaufhaus der Öffentlichkeit zugänglich machte. Und er tat es erneut mit der Sanierung der historischen Gebäude. „Chancen sehen und Risiken eingehen, das gilt nicht nur für den geschäftlichen Erfolg“, weiß der Unternehmer. „Diese Chancen habe ich unter anderem auch für die Entwicklung des Wasserviertels gesehen.

Es war mir wichtig, kein Museum zu schaffen, sondern einen historischen Ort für Lüneburger und Besucher wieder attraktiv und lebendig werden zu lassen. Als Sohn einer Lüneburger Bäckerfamilie in der 4. Generation war mir das eine besondere Freude.“
„Einen Glücksfall für die Hansestadt Lüneburg“ nannte ihn Oberbürgermeister Mädge und übergab damit das Mikrofon an Claassen, der sich vermutlich als erster Ehrenbürger der Stadt mit einem Lied bedankte. Mit ausdrucksstarker Stimme trug er Frank Sinatras Song „When I was seventeen“ vor, eine Rückschau, die nicht nur das Leben des großen amerikanischen Sängers beschreibt, sondern auch Claassens 73 Lebensjahre skizziert. Ein Stück, mit dem Los Angeles — die Stadt in der er seine Studienzeit verbrachte — Spuren bei ihm hinterlassen habe. Das Publikum dankte es ihm mit stehenden Ovationen. „In seinem Alter“, so scherzte Claassen nach seiner kurzen, humorvollen Dankesrede, „seien die größten Fehler schon gemacht.“ Von Herzen sei es ihm gegönnt, dass er heute gelassen die reifen Früchte ernten darf.(nf)

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