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„Der Sturm“ wird ein Bühnen-Orkan

geschrieben von Christiane Bleumer im November 2019

Quadrat begleitet auch in dieser Ausgabe die Arbeiten an Shakespeares „Der Sturm“ bis zur Premiere: Heute erklären die beiden Regisseure und Schauspieler Philip Richert und Gregor Müller ihre Arbeitsweise

Hajo Fouquet hat einfach gesagt „Macht mal!“. Auch Chefdramaturg Friedrich von Mansberg und Hilke Bultmann, Leitende Schauspieldramaturgin, verlassen sich voll und
ganz auf die Kreativität und den Einfallsreichtum von Philip Richert und Gregor Müller. Schließlich haben die beiden schon mehrfach bewiesen, dass sie das Publikum mit ihren Produktionen in den Bann ziehen können. Ihr Stil kommt an bei den Lüneburgern. Das Verrückte, Bunte und vor allem die Nutzung alter Theatermittel hat schon bei „The Black Rider“ für Beifallsstürme im Theater und immer wieder neue Vorstellungstermine gesorgt. Nun wagen sich die beiden an das
ganz große Theater. William Shakespeare: „Der Sturm“. Ein Drama in fünf Akten.
„Das ist schon eine Herausforderung“, sagt Philip Richert, der gemeinsam mit Gregor Müller „mit großem Respekt“ an das Stück herangeht. „Wir müssen Theater, Ballett und Musiktheater unter einen Hut bringen“, umreißt Gregor Müller den Plan. „Doch dieses Dreifach-Ding passt perfekt zu uns“, betonen die beiden. Neben der Regiearbeit stehen die Schauspieler zusätzlich selbst
auf der Bühne. „… das gesamte Ensemble ist viel, viel größer“, berichten sie.

Acht Leuten beim „Black Rider“ stehen 32 Mitwirkende beim „Sturm“ gegenüber. Ein echtes Mammutprojekt also, das nur funktionieren kann, weil Philip Richert und Gregor Müller ein so gutes Team sind.
2010 sind beide ans Lüneburger Theater gekommen, ohne sich vorher gekannt zu haben. Philip Richert kam vom Hildesheimer Theater, für Gregor Müller war es das erste feste Engagement nach der Schauspielschule. Doch obwohl sie nun Kollegen waren, gab es doch kaum Stücke, bei denen die beiden gemeinsam auf der Bühne standen. „Das änderte sich erst mit
Goethes Faust“, erinnert sich Philip Richert. „Das war toll, wir waren Faust und Mephisto und konnten uns als – für diese Rollen – sehr junge Schauspieler richtig austoben“, ergänzt sein Kollege. Diese Zusammenarbeit war quasi die Grundlage, auch eine persönliche Ebene zu finden, zu wissen, wie der andere tickt und daraus eine ganz große Kreativität zu entwickeln. „Oft haben wir einen Drive, ohne uns groß abstimmen zu müssen“, beschreibt Philip Richert die Vorgehensweise. Gregor habe einen mehr visuellen Ansatz, der zum Beispiel für die Arrangements perfekt sei. Er selbst sei eher interessiert daran, den Schauspielern und ihren Dialogen eine Richtung zu geben. Beide verbindet die Liebe zur Magie, zu alten Puppen und zum Bildertheater, auf das sich das Lüneburger Publikum bei
Shakespeares „Sturm“ freuen kann. „Es wird ein Märchen für Erwachsene“, sagen die Regisseure und sie versprechen, dass sowohl der Shakespeare Kenner auf seine Kosten kommt, als auch derjenige, der den Zauber und das Magische sucht.
Es geht gut voran mit den Arbeiten am Stück, das im Juni 2020 Premiere feiert. „Die Musik ist jetzt fertig“, sagt Gregor Müller. Die Textfassung stehe im Groben, nachdem man sich im Sommer am Bodensee getroffen habe, um Shakespeare so zu kürzen, dass es für ihr Projekt passe. „Deswegen arbeiten
wir mit einer älteren Übersetzung, die rechtefrei ist.
Da hat man freie Hand.“ Ganz wichtig war den beiden Regisseuren, dass die Liedtexte auf Englisch bleiben. „In diesem Fall nehmen wir extra das alte Shakespeare-Englisch, weil das sehr lyrisch klingt.“ Original-Sonetttexte runden die spezielle Lüneburger Shakespeare-Fassung ab. Philip Richert und Gregor Müller wissen, wo es hingehen soll, doch jetzt ist es wichtig, „den Spirit auf die große Gruppe der Mitwirkenden zu übertragen“.
„Wir wollen einen Raum schaffen, in dem sich die anderen wiederfinden und ausleben können“, betonen die beiden. Ein Beispiel ist der Umgang mit der Ballettcompagnie, die ebenfalls am Stück beteiligt ist. „Wir wollen nur Eckpfeiler vorgeben, in welche Richtung es auf der Bühne zu gehen hat. Doch die
Tänzer haben ziemlich freie Hand, welche Bewegungen und Formationen sie dazwischen zeigen wollen. Work in progress, das ist unsere Arbeitsweise.“ Das funktioniert natürlich nur, wenn im gesamten Ensemble ein großes Vertrauen in das Projekt und
die beiden Regisseure besteht. Auch Philip Richert und Gregor Müller müssen sich auf den jeweils anderen verlassen können. Das funktioniert so gut, dass es auch auf privater Ebene etliche Anknüpfungspunkte gibt. „Gregor ist der Patenonkel meiner
Tochter und auch als Babysitter sehr gut zu gebrauchen“, sagt Philip Richert und lacht. Auch in den nächsten Monaten werden die beiden sicher noch manchen Tag miteinander verbringen. Am Ende steht dann „eine große Theaterparty“ – da sind sich die
Regisseure einig

Fotos: Georg Müller, Andreas Tamme

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