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Oase des Glücks

geschrieben von Sebastian Balmaceda im September 2019

äkeln. Meckern. Mosern. Das ist der Dreiklang, der zu oft Zeitungsseiten und Kantinengespräche prägt, der eine Stimmung erzeugt, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat.
Lieben. Lachen. Loben. Das ist der feine Dreiklang, der zu oft untergeht im Getöse der Unzufriedenen, der Haar-in-der-Suppe-Sucher, der notorischen Nörgler.
Der Sommer neigt sich dem Ende, Zeit ein Loblied zu singen, ein Loblied auf unser Freibad. Ich gehe seit 30 Jahren jeden Morgen schwimmen, bei jedem Wetter. Einmal musste ich um 6.45 Uhr Eis kratzen – egal, im Wasser ist es immer wunderbar. Das Freibad-Team kennt seine Morgenschwimmer, begrüßt uns freundlich, hat Zeit für einen Scherz. Es ist gut, wenn der Tag mit netten Menschen beginnt.
Dass Schwimmen gesund ist, weiß jeder Trottel. Es geht beim Freibad um viel mehr. Es geht um einen Ort der Begegnung.
Hier treffen sich seit 1965 (!) morgens aufgeweckte Schwimmer, hier sind Freundschaften entstanden, hier finden einsame ältere Menschen Gleichge­sinnte. Hier schaut niemand, ob du arm, reich, dick, dünn, Beamter oder Zeitungsfritze, Arzt oder Postbote bist. In Badehosen sind wir alle gleich.
Hier lernen Kinder das Schwimmen, bekommen als Belohnung für ihr Seepferdchen eine Portion Pommes am Kiosk. Dieser Duft. Ewige Kindheit.
Hier trainieren die Triathleten und Power-­Schwimmer, die Bundeswehrsoldaten, die Studenten, die geübten Freizeitschwimmer – drei Bahnen sind für die Nicht-Planscher reserviert. Super!
Hier kommen Familien mit Kindern, Singles, heiße Girls und coole Boys (und andersrum), Pärchen, Großväter mit Enkeln, Menschen verschiedener Nationen und Hautfarben, verschiedener Religionen, verschiedener Lebensweisen. Im Schnitt weit mehr als 1.000 Besucher am Tag, an hammerheißen Tagen bis zu 4.500, in der Saison weit mehr als 100.000.
Freibad Hagen – eines der letzten total analogen Freizeitangebote. Hier springen Kids stundenlang vom Einer oder vom Dreier. Immer und immer wieder. Kein Handy, kein Daddelspiel, kein Pokemon, keine Playstation. Reinspringen, rausklettern, reinspringen, rausklettern, reinspringen … – sie müssen das Gejuchze und Gejohle hören. Fröhlichkeit pur.
Ich habe hier noch nie Gewalt oder übermäßige Aggressivität erlebt. Das liegt zum einen am klasse Personal. Das Team hat seine Augen überall, greift ein, ehe es zu spät ist. Und es liegt am lässigen Sicherheitsdienst, dessen pure Anwesenheit hilft. Gut so.
Unser Freibad ist die günstigste und wirksamste Form der Sozialarbeit ohne Sozialpädagogen.
Geöffnet von 6.30 Uhr bis 20.30 Uhr (Sonn- und ­Feiertage ab 7 Uhr). Erwachsene, die voll bezahlen, müssen lächerliche 3,20 Euro investieren, Kinder 1,80 Euro, Ermäßigte 2,20 Euro. Diverse Punkte- und Bonuskarten machen den Spaß noch günstiger. Für 3,20 Euro 14 Stunden Freizeitspaß! Keine Fragen mehr.
Freibad Hagen, schön, dass es Dich gibt!
An alle (Spar)-Politiker: Finger weg!

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