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Per App auf Zeitreise

geschrieben von Christiane Bleumer im September 2019

Wolfgang Graemer lässt mit seiner Zeitsprung-App das längst vergangene Lüneburg wieder aufleben.

ie Begriffe Mons, Pons und Fons, Bezeichnungen für die drei Keimzellen der Stadt, sind allgegenwärtig in Lüneburg. Das charakteristische Zeichen aus den drei Anfangsbuchstaben befindet sich auf Kanaldeckeln, Wetterfahnen, auf dem Glockenhaus – und sogar die Telenovela „Rote Rosen“ hat es in der vergangenen Staffel genutzt. Nun tauchen noch mehr dieser so genannten Stadtmarken in Lüneburg auf, denn der Lichtkünstler Wolfgang Graemer nähert sich der Vollendung seines groß angelegten Projektes einer neuen kostenlosen App. „Zeitsprung Lüneburg“ hat er den von ihm entwickelten Weg genannt, Lüneburg auf ganz neue Art und Weise zu erleben. Digital und mit Hilfe moderner Technik wird der Interessierte zu Standorten geleitet, die Wolfgang Graemer im Vorfeld gekennzeichnet hat.
Augmented Reality (AR), also erweiterte Realität, ist das Zauberwort, das es den Nutzern der App ermöglicht, in das normale Bild des Suchers vom Tablet oder Smartphone ortsgenau beliebige Dinge und Ansichten einzublenden. Denn so schön unsere Salz- und Hansestadt auch heute noch sein mag, es hat sich doch vieles im Laufe der Jahrhunderte verändert. Aus heutiger Sicht erhaltenswerte Gebäude sind abgerissen worden, obwohl eine Restaurierung möglich gewesen wäre. Oft waren Senkungsschäden verantwortlich, manchmal aber auch Moder­nisierungsbestrebungen der jeweiligen Epoche. Doch Wolfgang Graemer macht es wieder sichtbar – zum Beispiel die alte Stadtbefestigung, die Wälle und die Stadttore, die Lüneburg einst umgaben und schützten. Wenn man den „Zeitsprung“ macht, kann man die damals ganz anders geformte Stadtlandschaft quasi mit den Augen durchwandern.
Dabei sagt er ganz klar, dass es „nur eine Annäherung an das sein kann, was einmal war.“ Alte Stiche und Gemälde helfen ihm dabei, die Vergangenheit möglichst originalgetreu wieder sichtbar zu machen. Ein eindrucksvolles Beispiel unter den bis jetzt rund 50 Standorten der Zeitsprung App ist der Springintgut-Turm, der als höchster Wehrturm Lüneburgs rund 80 Meter aufragte. Seine Lage und sein Umfang sind heute noch im Pflaster vor der Ritterakademie zu erkennen. Hier macht Augmented Reality etwas sichtbar, das unwiederbringlich verschwunden ist. Der Turm ersteht auf wundersame Weise mit Hilfe der Technik neu vor dem Auge des Betrachters – die Vergangenheit wird in die Gegenwart hineinpro­jiziert. An anderen Stellen in Lüneburg sind alte Gebäude durch neue ersetzt worden. Auch das macht die App sichtbar, zum Beispiel am Marienplatz. „Am Ende soll die App mindestens 60 Punkte enthalten, zu denen die Nutzer in Lüneburg mit Hilfe einer Karte, GPS und Kompass geleitet werden“, verspricht Wolfgang Graemer
Hierfür hat er die Stadttore, Häuser, Kirchen und andere Gebäude aufwändig am Computer dreidimensional rekonstruiert, um sie fotorealistisch und perspektivisch genau an den Zeitsprung-Standorten einblenden zu können. „Ein ausgeartetes Hobby“, wie er selbst sagt, denn bis jetzt habe ihn das Einrichten der App schon mehrere 1.000 Stunden Zeit ge­kostet. Aber es lohnt sich: Lüneburger und Gäste können sich mit der Zeitsprung App einfach zu all den Standorten treiben lassen, an denen man eigent­lich nicht mehr viel sieht, denen er aber neues Leben und eine neue Bedeutung einhaucht.
Probieren Sie es einfach aus – es macht richtig viel Spaß!

Weitere Informationen:
www.zeitsprung-lueneburg.de

Die App „Zeitsprung Lüneburg“ ist erhältlich bei Google Play und im App Store.

Foto: Enno Friedrich

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