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Das Lied der Lerche erklingt immer seltener

geschrieben von Irene Lange im Mai 2019

Irgendetwas fehlt beim morgendlichen Frühjahrs-Spaziergang durch Feld und Flur – es ist merkwürdig still. Zwar zwitschert ab und zu irgendwo ein Vogel. Doch das Tirilieren der Lerche hoch oben aus den Lüften ist kaum noch zu vernehmen – zu selten ist der Feldvogel (Alauda arvensis), auch Himmelsvogel genannt, in vielen Gebieten Deutschlands wie auch im Raum Lüneburg geworden 

ereits zum zweiten Mal ist die Feldlerche seit 1998 zum „Vogel des Jahres“ ernannt worden. Schon vor der Jahrtausendwende war der Bestand des einst am häufigsten vorkommenden Vogels in der Agrarlandschaft auch in der Region Lüneburg drastisch zurückgegangen. Während es beispielsweise in den 1970er-Jahren zur Brutzeit bei Vogelzählungen noch über 50 Lerchen mit ihrem Gesang gehört wurden, waren es bereits in den 1990er-Jahren an gleicher Stelle nur noch um die 30. Auch auf den Äckern brüteten Anfang der 2000er Jahre schon weitaus weniger Lerchenpaare als noch 30 Jahre zuvor. Lediglich im Biosphärenreservat Elbtalaue ist ihr Gesang noch häufiger zu vernehmen. Dort hat sich in den Elbwiesen der Bestand in den letzten Jahren gut gehalten.
Über die Gründe, wie es soweit kommen konnte, dass nun auch die Lerche als früherer „Allerwelts­vogel“ zur bedrohten Tierart gehört, kann Vogelexperte und engagierter Hobby-Ornithologe Frank Allmer vom NABU Lüneburg aufklären. Er bezieht sich dabei auch auf Untersuchungen der Biologinnen Petra Bernardy und Dr. Krista Dziewiaty im Auftrag des Bundesumweltministeriums mit Schwerpunkt auf den Landkreis Lüchow-Dannenberg.

„Ein Teufelskreis: Keine Insekten, keine Nahrung für Vögel und keine Aufzuchtsmög­lich­keit für den Feldvogel Lerche.“

Es gab ein alarmierendes Ergebnis: Rings um Biogas-Betriebe brüteten teilweise halb so viele Feld­lerchen wie in Gegenden ohne Biogasanlagen.
Denn zur Versorgung dieser Anlagen und auch als Viehfutter wird zunehmend Mais angebaut. Das hat eine Verdichtung der Äcker zur Folge, so dass die Getreidefelder, Grünland und Brachflächen als bisherige Lebensräume der Lerchen verschwinden. Zwischen den hohen Maispflanzen ist es dunkel, kühl und feucht, dort wächst zudem auch kaum noch etwas anderes, so dass es auch kein Lebensraum für Insekten mehr ist. So entsteht ein Teufelskreis: keine Insekten, keine Nahrung für Vögel und keine Aufzuchtsmög­lich­keit für den Feldvogel Lerche. Als Bodenbrüter bevorzugt die Feldlerche offene Weite, also nicht zu dicht be­deckte Flächen. Hier findet sie gute Voraussetzungen für ihren Nachwuchs, der an den ca. 30 Tagen – bis er flügge und selbstständig wird – ein geschütztes Umfeld braucht. Ohne­hin gibt sich die Feldlerche in ihrem rötlich-braunen Federkleid möglichst unscheinbar, eben eine schlichte Schönheit. Das schützt sie nicht immer vor ihren natürlichen Feinden wie Greif- und Raben­vögel, aber auch Fuchs, Wildschwein und Marderhund. Zudem zerstört der Mensch den natürlichen Lebensraum durch immer früheres Abmähen der Wiesen. Das Versprühen von Pestiziden vernichtet Insekten. Zudem zieht es die Lerche im Winter lediglich bei Kälteeinbrüchen kurzfristig in wärmere Gebiete. Schon Mitte April scharrt das Weibchen ein Nest in eine Bodenmulde, in das sie bis zu sieben Eier legt.
Doch es gibt Hoffnung für die Lerche, weiß Frank Allmer. Es seien Bemühungen im Gange, den Bestand zu retten, indem sogenannte „Lerchenfenster“ an­gelegt werden. Dabei handelt es sich um offengelegte Flächen innerhalb der Äcker, in denen die Landwirte nicht ernten. Dafür erhalten sie durch die Naturschutzverbände einen gewissen finanziellen Ausgleich.
Nicht nur romantische Gemüter würden das Tirilieren der Lerchen hoch oben aus den Lüften vermissen, wenn es ganz verstummte. Haben doch viele Dichter den Vogel schon besungen. Da kommt zuerst einer der bekanntesten Szenen aus „Romeo und Julia“ von Shakespeare in den Sinn: „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang …“ – oder Johann Gottfried Herder in seinem Gedicht: „Gegrüßet seist du, du Himmelsschwinge, des Frühlings Bote, du Liederfreundin …“. Bleibt zu hoffen, dass es weiterhin heißen kann: „Es schmettert ihre Lieder die Lerche aus den Höh’n, zur blühenden Erde nieder, Oh Welt, wie bist du schön!“
Foto: 123rf.com © ihelg

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