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Der Henker von Lüneburg

geschrieben von Christane Bleumer im März 2018

Eine schaurige Gestalt mit dunkler Kapuzenhaube und scharf geschliffener Axt zieht durch die malerischen Gassen der Salz- und Hansestadt: Es ist Meister Hans, der Scharfrichter von Lüneburg. Aber keine Angst, das Beil ist sein alltägliches Arbeitsgerät, und wer über ein reines Gewissen verfügt, hat von dem düsteren Gesellen nichts zu befürchten.
Die Maske markiert ihn als einen Menschen, der einem unehrbaren Beruf nachgeht, der von niedrigem Stand ist, obwohl ihm in der Vergangenheit durchaus eine Vielzahl an wichtigen Aufgaben zuteil wurde. Nicht nur die reine Exekutive in der Strafverfolgung beinhaltete sein Tagesgeschäft, sondern auch das Amt des Obmannes über das ­horizontale Gewerbe sowie die Pflichten des medizinisch geschulten Hygienebeauftragten der mittelalterlichen Stadt.
Ab März lässt sich Meister Hans nun 90 Minuten bei seinen beruflichen Besorgungen innerhalb der Stadt begleiten. Dabei führen ihn seine Dienstwege auch aus dem Zentrum der Stadt heraus, hinein in einige der schönsten erhaltenen mittelalterlichen Gassen der Hansestadt, die selbst eingefleischte Lüneburger eher selten zu Gesicht bekommen. Der Scharfrichter weiß dabei allerhand Kurioses und Interessantes über das Rechtssystem des Mittelalters zu berichten und kann dank seiner lang­jährigen Erfahrung Geschichten über unerhörte Lüneburger Kriminalfälle der Vergangenheit er­zählen.
Hinter der furchteinflößenden Maske des Scharfrichters verbirgt sich der freischaffende Schauspieler Leif Scheele, der derzeit am Schlosstheater Celle und am Theater der Stadt Hof in Oberfranken gastiert und überdies in Hamburg als ­Synchronsprecher tätig ist. Dem Lüneburger Publi­kum ist er durch wiederholte Zusammenarbeiten mit dem „Theater zur weiten Welt“ und als Gast des Theater Lüneburg bekannt. 2015 ließ er sich in seiner Heimatstadt Lüneburg zum Stadtführer ausbilden und präsentiert nun mit der Lüneburger Henkerführung seine erste selbst erarbeitete Erlebnisführung. „Das wird ein Mordsspaß! Wer den Stadtrundgang mit dem Nachtwächter mag, wird die Henkerführung lieben“, verspricht der Schauspieler.
Je tiefer Leif Scheele in seine Recherchearbeit eintauchte, desto mehr skurrile Informationen und — aus heutiger Sicht — haarsträubende rechtliche Gegebenheiten förderte er zutage. Allein die Vielzahl an Redewendungen und Sprichwörtlichkeiten, die ihren Ursprung im mittelalterlichen Recht haben und von dort aus ihren Weg in unseren täglichen Sprachgebrauch fanden, scheint unerschöpflich: So kann sich zum Beispiel jemand nach einer unruhigen oder schlaflosen Nacht „wie gerädert“ fühlen oder jemand denkt, seine Mitmenschen hätten ihn „hängen gelassen“, wenn diese eine Verabredung nicht einhalten. Noch weiter zurückblickend war es einem Angeklagten nach germanischem Recht sogar möglich, die Richterschaft von seiner Unschuld zu „überzeugen“, wenn er nur die Überzahl an für sprechenden Zeugen stellte. Das funktionierte selbst dann, wenn die Beweislage erdrückend zu sein schien.
Die Henkersführung wird die Teilnehmergruppe nicht länger auf die Folter spannen, sondern für zahlreiche Aha-Erlebnisse sorgen. Dazu kündigt Leif Scheele an: „Wir wagen hier einen spannenden Spagat zwischen einem ernsten, gehaltvollen Thema und ausgezeichneter Unterhaltung – eben Info­tainment vom Feinsten!“ Buchbar ist die humorvolle Erlebnisführung für private Gruppen oder Einzelpersonen in öffentlicher Führung über www.lueneburg.info oder in der Touristeninformation am Rathaus.
Die Themenführung bietet sich für Menschen ab 16 Jahren an. Die Premiere ist bereits ausverkauft, doch viele weitere Termine laden ab März dazu ein, die dunkle Seite Lüneburgs kennenzulernen.(cb)

Fotos: lünebild.de

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