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Die Frühlingsgefühle der Amphibien

geschrieben von Irene Lange im Februar 2018

Im Frühjahr wandern sie wieder, die Frösche, Kröten, Lurche und Molche. Krötenzäune und -tunnel bewahren die Tiere vor dem sicheren Tod auf den Straßen

Wie bei Insekten oder Vögeln fürchten Umwelt- und Natur­schutzämter heute mittlerweile um den Erhalt von Amphibien. Frösche, Kröten und Molche sind auch in unserer Region deutlich weniger ­geworden. Nicht nur die veränderten Umweltbedingungen, verbunden mit dem Verlust der Lebensräume, tragen dazu bei, auch der Einsatz von Che­mikalien in der Landwirtschaft, die beispielsweise bei Fröschen sofort tödlich wirken können. Wie Burkhard Jäkel von der Umweltbehörde des Landkreises Lüneburg erklärt, sind Frösche Hautatmer, die auch außerhalb von Gewässern überleben können und demzufolge Pflanzenschutzgiften viel stärker ausgesetzt sind.
Die Winterzeit verbringen Frösche und Kröten in einem Winterquartier. Teichfrösche zum Beispiel suchen sich in Gewässernähe unter Laub und Zweigen ein sicheres, möglichst frostfreies Versteck, während Kröten alte Baumstümpfe oder große Laubhaufen bevorzugen. Beide Arten nehmen in dieser Jahreszeit keine Nahrung auf und senken ihre Körperfunktion bis auf einen Herzschlag pro Minute.
Mit steigenden Temperaturen wird der Stoffwechsel wieder hochgefahren, Mitte bis Ende Februar beginnt dann die große Wanderung der Kröten und Frösche. „Am liebsten ist es ihnen, wenn das Thermometer um die 12 °C anzeigt und Regenwetter herrschen“, erklärt Burkhard Jäkel von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Lüneburg. Die Tiere zieht es in ihr manchmal mehrere Kilometer entferntes ­Geburtsgewässer, um dort an Unterwasserpflanzen ihre Laichschnüre abzulegen. Die Wasserfrösche haben es nicht so weit; sie legen im angestammten nahen Teichgewässer ihren Laich in Ballen ab.
Die Kröten begeben sich meist in größeren Gruppen auf ihre mehrere Kilometer lange Reise. Dabei trägt ein Weibchen häufig auch noch eins oder sogar mehrere der kleineren Männchen auf ihrem Rücken. Doch für viele endet diese Wanderung tödlich, allzu oft liegen Straßen auf ihrem Weg, die überquert werden müssen, nicht selten fallen sie dort den fahrenden Autos zum Opfer. Wie gut, dass sich der Mensch seit vielen Jahren darum kümmert, dass ein Teil von ihnen dennoch ihr Ziel erreicht. An den Straßenrändern sieht man sie im Frühjahr wieder: die so genannten Krötenzäune oder auch Tunnel, wie in Lüneburg an der Hasenburg.
An der Anwander-Seite werden zudem Eimer eingegraben, die die Tiere auffangen. Freiwillige Helfer und Tierschützer sammeln die Tiere ein und bringen sie sicher aus der Gefahren­zone. Geschehen muss dies im frühen Morgengrauen, da die meisten heimischen Amphibienarten nachtaktiv sind. Trotz aller Mühen können nach wie vor viel zu wenige Tiere auf diese Weise gerettet werden, weiß der NABU. Gefahren bilden auch zu hohe Bordsteinkanten und Gullys.
Die beste Lösung sind Amphibientunnel, die vor der beginnenden Krötenwanderung zwischen Rettmer und Oerzen oder an der Ausfahrt Deutsch-Evern an der Ostumgehung aufgestellt werden. Der Betreuungsaufwand ist mit der Tunnellösung deutlich geringer, da keine Eimer kontrolliert werden müssen. Ziel müsse es jedoch sein, nach und nach Amphibiendurchlässe an den bekannten Wanderstellen zu bauen, so Burkhard Jäkel vom Fachdienst Umwelt. Später, im Sommer, folgt zur Rückwanderung der so genannten „Froschregen“, wenn die Entwicklung der Kaulquappen abgeschlossen ist und sich die noch winzigen Jungtiere an Land begeben. Dann wimmelt es häufig im Gras und auf den Wegen.

Etwa zehn verschiedene Amphibienarten sind in der Region Lüneburg zu finden. Am häufigsten kommen Frösche (Froschlurche) vor; die Gras­frösche mit bräunlicher Färbung und die Springfrösche. Moorfrösche hingegen sind seltener, eine Besonderheit bei dieser Art ist die hellblaue Färbung bei den Männchen während der Paarungszeit. Mit lautem Quaken machen sich in der wärmeren Jahreszeit immer noch die Grünfrösche – Wasser- und Teichfrösche – bemerkbar, während Braun­frösche blubbernde Geräusche von sich geben. Sehr selten ist der Laubfrosch – der sogenannte Wetterfrosch – geworden. Er ist nur noch im östlichen Landesteil zu finden. Bei den Krötenarten sind die häufigsten Vorkommen unter den Erd- und Graskröten zu finden, während Laub-, Moor- und insbesondere die Knoblauchkröten relativ selten sind. Die Geburtshelferkröte trägt ihren Laich auf dem Rücken, die unter strengem Naturschutz ­stehende Rotbauchunke findet sich nur noch in der Elbtalaue.
Zu den Amphibien zählen auch die Molche, die, wie Frösche und Kröten ebenfalls im Frühjahr auf Wanderschaft gehen. In der Region Lüneburg leben noch Teich-, Berg- und Fadenmolche, alle nur ca. eine Handbreit groß. Sehr seltene Kammmolche hingegen können bis zu 15 cm erreichen. Diese Tiere sind als FFH Art (Flora-Fauna-Habitat) europäisch als prioritäre Art geschützt, wobei alle ­Amphibien ohnehin unter Schutz stehen.
„Demnächst geben wir wieder über Internet bekannt, wann die Wanderungen der Frösche und Kröten starten. Freiwillige Helfer sind immer willkommen, besonders Frühaufsteher, die beim Sonnenaufgang bereit stehen können“, kündigt Burkhard Jäkel an und verspricht dabei frische Luft, Bewegung und natürlich Spaß mit Gleichgesinnten. Weitere Auskünfte erhalten Sie von Burk­hard Jäkel, Landkreis Lüneburg, Fachdienst Umwelt, Tel.: (04131) 26-1354.(ilg)
Fotos: Landkreis Lüneburg – Fachdienst Umwelt

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