GG
Magazin für das Leben in Lüneburg
Themen
Alle Themen und Artikel

Die Wassermühle zu Bardowick

geschrieben von Iene Lange im Oktober 2018

An der Niedersächsischen Mühlenstraße erinnert eine Schautafel an den Standort der „verschollenen“ Mühle

Bardowick wurde erstmals im Jahre 785 erwähnt und zählt damit zu den ältesten Orten Norddeutschlands. Bedeutung erlangte er wohl aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage an einem Fernhandelsweg, der durch eine Furt in der Ilmenau nach Nordosten führte. Bardowick bildete bald die nordöstliche Reichsgrenze für Karl den Großen, den Herrscher des fränkischen Reiches, der die Sachsen besiegt hatte. 805 erhob dieser – inzwischen zum Kaiser ernannt – den Ort zum Grenzhandelsplatz. Hier konnte der Handel mit den ­Slawen getrieben und der Waffentausch mit den Nachbarn kontrolliert werden. Karl selbst hielt sich in den Jahren 785, 795 und 798 in dem Ort auf, was durch zeitgenössische Quellen belegt ist.
Die Vermutung liegt nahe, dass in dieser Zeit an der Ilmenau auch eine Wassermühle auf Pfählen existierte. Darauf deuten Funde hin, die beim Bau der Bardowicker Ilmenauschleuse in den Jahren 1933/34 geborgen wurden: fünf Mühlsteine und Bruchstücke von weiteren sowie ein Stockradgetriebe, wie es für die Übertragung der Wasserkraft auf den Mahlgang erforderlich war. Zudem fanden sich Pfahlgruppen und Holzkonstruktionen mit Zapfenlöchern. Der damalige Leiter der vorgeschichtlichen Abteilung des Lüneburger Museums, Dr. h. c. Franz Krüger, war seinerzeit an der Bergung beteiligt. Anhand der von ihm beschriebenen Funde der aus Sandstein bestehenden Mühlsteine war es möglich, eine Zeitbestimmung vorzunehmen, die durch einige Begleitfunde untermauert wurde. Dabei handelte es sich um Eisenteile wie Lanzenspitzen und Äxte sowie Keramikteile, die sich auf die Jahre um 800 bis 1100 datieren ließen. Folglich kann auch die Existenz der Wassermühle an diesem Standort um das 10. Jahrhundert angenommen werden.

Keramikfunde enden an dieser Stelle nach dem 12. Jahrhundert. Eine gewaltsame Zerstörung der Wassermühle ist durchaus möglich, fiele sie doch in die Zeit, als der Welfe Heinrich der Löwe am 28. Oktober 1189 die Stadt stürmte. Dieser war nach Auseinandersetzungen mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa entmachtet und in die Verbannung geschickt worden, woraus er jedoch vorzeitig zurückkehrte. Weil ihm Bardowick, das inzwischen Herzog Bernhard von Askanien zugesprochen war, die Gefolgschaft verweigerte, nahm Heinrich der Löwe Rache an der von ihm einst geförderten Stadt. Er ließ Häuser in Brand setzen, Kirchen plündern, viele Einwohner töten oder gefangen nehmen. Vielleicht blieb dabei auch die Wassermühle an der Ilmenau nicht verschont. Leider sind die Fundstücke bis auf wenige Metallteile verschollen oder zerstört worden. Eine nach heutigen modernen Methoden der Wissenschaft exakte Altersbestimmung ist daher nicht mehr möglich.
An der Niedersächsischen Mühlenstraße, die von Bardowick über 650 km durch die nordöstliche Lüneburger Heide bis nach Celle führt, erinnert eine Schautafel mit ausführlichen Erklärungen wie auch ein Mühlstein-Tisch an den Standort der „verschollenen Wassermühle zu Bardowick“. (ilg)

— Quellen: Infotafel D. Gehrke „Die verschollene Wassermühle zu Bardowick“; Magazin Mühlen­förderverein Lüneburg e.V. „Der Kleiekotzer“ Fotos: Sammlung Hajo Boldt

Anzeige






Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.