GG
Magazin für das Leben in Lüneburg
Themen
Alle Themen und Artikel

Durch Schnee und Eis auf vielen Pfoten

geschrieben von Viktoria Manzke (vm) im Februar 2018

Werden auch Sie im Alltag von einem Freund auf vier Pfoten begleitet? Dann begeben Sie sich doch mit QUADRAT in die Welt des Schlittenhundesports, denn der findet – dem norddeutschen Winter angemessen – in vielen Varianten auch statt

Der Schlittenhund gehört zu den ältesten Gebrauchshunden der Welt. Sein Ursprung sind die nördlichen Regionen der Erde. Auch heute noch sind sie wichtige Begleiter der Menschen dieser Klimazone. Mit seinem Leistungswillen, seiner Widerstandsfähigkeit, seiner Genügsamkeit und Energie und seinem freundlichen ­Wesen half der Schlittenhund dem Menschen beim Überleben in Eis, Schnee und extremer Kälte. Für die Urvölker des Nordens und die späteren Siedler waren Schlittenhunde zugleich wichtige Jagdgehilfen und familienfreundliche Begleiter. Auch im Mittelalter spannten Menschen Hunde – Pferd des armen Mannes genannt – vor einen Wagen, um ihre Waren von Tür zu Tür zu bringen – ein Bild, welches noch bis ins 20. Jahrhundert auf den Straßen nicht unüblich war. Im ersten Weltkrieg setzte das Militär Hunde als Zugtiere ein, da ein Pferd in extremen Wettersituationen überfordert war. Die französische Regierung holte dafür 450 Schlittenhunde aus Alaska nach Europa für den Einsatz in den verschneiten Vogesen.
Mit dem Aufkommen des Schlittenhundesports in den 20er-Jahren wurden in den USA Jagdhunde eingekreuzt, um den optimalen Sportler für die populären Rennen zu erhalten. Auf diese Weise kam übrigens auch der Deutsch-Kurzhaar in die nordamerikanische Schlittenhundezucht. 1920 fand das erste Rennen Europas in Norwegen statt, wobei zunächst nur reinrassige Schlittenhunde zugelassen wurden. Als der Schlittenhundesport in den 70ern eine Renaissance erlebte, wurden in Europa die Vorstehhunde wegen ihrer Ausdauer und Führigkeit bei den „Mushern“, wie die Schlittenhundeführer genannt werden, immer beliebter.
Der größte Verband für den Schlittenhundesport in Deutschland ist der Verband Deutscher Schlitten­hundesportvereine; bei seinen Veranstaltungen können Hunde unabhängig von der Rassezuge­hörigkeit an den Start gehen. Gegründet haben sich auch zahlreiche Sportvereine und Verbände, darunter der Deutsche Dachverband für den reinrassigen Schlittenhundesport, die ausschließlich mit den nordischen Schlittenhunderassen – im Wesentlichen Siberian Husky, Samojeden, Grönlandhunde und Alaskan Malamutes – Schlittenhunde­sport treiben.

Aufgrund des Schneemangels finden in unseren Breitengraden vor allem Wagenrennen statt, die eher ­Trainingscharakter haben. Die Wagen der Teams sind drei- bzw. vierrädrige Gefährte ganz unterschiedlicher Konstruktion, auf denen der Musher ähnlich wie auf einem Schlitten steht, hinter denen er aber auch mitlaufen oder -schieben kann. Parallel haben sich im Laufe der Zeit neue Sportarten wie Canicross, Bikejöring oder Dogscooting entwickelt, die bei Freizeitsportlern immer beliebter werden. Beim Canicross läuft der Vierläufer im Zug vor dem Menschen. Ähnlich wie beim Bikejöring, bei dem der Hund mit einem Zugseil am Fahrrad befestigt ist, wird er beim Dogscooting vor einen Tretroller gespannt.
Eine gewisse Grundfitness sollten Hund und Herrchen schon mitbringen, wenn der gemeinsame Spaß von Hund und Mensch gegeben sein soll. Über das Wo und Wie informiert zum Beispiel der VDSV, aber auch Lüneburger Hundeschulen bieten Zughundesport an.
Das Herz der Schlittenhundeteams schlägt natürlich für die Rennen im Schnee; hier werden Gespanngruppen zwischen zwei und beliebig vielen Hunden ab zwölf Monaten gebildet, wobei die Hunde meist paarweise vor einen Wagen oder Schlitten eingespannt sind. Über die zentrale Zug­leine sind sie mit dem jeweiligen Gefährt verbunden. Der Musher steht auf dem Wagen oder Schlitten und gibt die Kommandos an den oder die Leader (vorderste Hunde), welche/r dann die Richtung und das Tempo (Ø bis 25 km/h) für das Gespann bestimmt.

Nach den Leithunden richtet sich die Motivation des ganzen Teams, besonders unter hohen körperlichen Belastungen, aus. Erstaunlich ist das Orien­tierungs- und örtliche Erinnerungsvermögen guter Leithunde. Nicht selten erkennen sie auch nach Jahren einen früher gelaufenen Weg.
Im norddeutschen Raum gilt es im März, noch einmal alle Reserven zu mobilisieren und die Hunde sicher über die Rennstrecke zu leiten, denn der Schlittenhunde Sportclub Niedersachsen (SSCN) veranstaltet am 17.und 18. März das 27. Schlitten­hundewagenrennen in Kunrau bei Klötze, welches gleichzeitig der vierte und letzte Wertungslauf für die Norddeutsche Meisterschaft 2017/2018 ist. Informationen dazu finden Sie unter www.sscn.de. Für alle, die mehr über Schlittenhunde, deren ­Geschichte und die verschiedenen Sportsparten erfahren möchten, empfiehlt sich ein Blick auf www.vdsv.de, die Seite von Deutschlands größtem Dachverband mit über 1700 Mitgliedern.(vm)

Foto: rene-loeffler.com / CC BY-NC-ND 3.0 DE

Anzeige






Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.