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Gute Vorsätze?

geschrieben im Januar 2018

Warum die guten Vorsätze von Silvester nicht funktionieren … und wie es dennoch klappt! – Von Udo Gast

Zu den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel haben wir ein überaus ambivalentes Verhältnis: Während die einen mit Begeisterung eine ganze Liste guter Absichten erstellen, denken die anderen gar nicht erst darüber nach, schließlich wisse man ja, „dass das doch sowieso nichts bringt“. Seit 2011 führt das Forsa Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit eine repräsentative Umfrage zu den guten Vorsätzen der Deutschen durch. Von den Befragten, die sich mit Änderungsplänen tragen, steht seit einigen Jahren an erster Stelle das Thema „Stress vermeiden oder abbauen“. Ebenso konstant hält sich Platz zwei: „Mehr Zeit für Familie/Freunde“, gefolgt vom Klassiker „mehr Bewegung/Sport“. Wer bislang vermutete, dass die Gewichtsreduktion oder „mit dem Rauchen auf­hören“ die Spitzenpositionen besetzt, der sieht sich getäuscht. „Abnehmen“ rangiert über Jahre auf Platz sechs, „Rauchen“ finden wir auf dem letzten Platz mit etwa 10 %. Angesichts der ambitionierten Neujahrsplanungen steigt dann auch die Zahl der Neuanmeldungen in Fitness­studios im Januar deutlich. Allerdings sind die meisten Fitness-Enthusiasten schon im fortschreitenden Frühjahr nicht mehr im Studio anzutreffen.
Doch wie gelingt es, die guten Vorsätze tatsächlich mit Erfolg umzusetzen? Dazu sollten wir uns zunächst einmal vor Augen halten, was die Auslöser für die Änderungswünsche sind. In der Psychologie unterscheidet man generell zwei Hauptmotive für unser Handeln: Das eine Motiv ist Schmerz, das andere ist Liebe. Wenn wir nun mit unserer Figur nicht zufrieden sind, dann bereitet uns der Blick in den Spiegel Unbehagen, also Schmerz. Wenn uns der Hausarzt am Ende der Untersuchung eröffnet, dass wir nur noch wenig Zeit unter unseren Lieben verbringen werden, wenn wir nicht sofort das Rauchen aufgeben, dann ist dieser Schmerz sicher Anlass genug, sofort die Zigarettenpackung wegzuwerfen. Ist unser Lebenspartner Nichtraucher, dann findet unser Entschluss sicher viel Lob und Anerkennung. Allerdings wird man unschwer erkennen, dass das Motiv Liebe bei Weitem nicht so stark ist wie der Schmerz. Das heißt, es muss also ein Motiv geben, das stark genug ist, unser Verhalten zu ändern. Damit kommen wir gleich zum nächsten Punkt: Über 90 % unserer Hand­lungen werden vom Unterbewusstsein gesteuert. Jedes Verhalten ist ein erlerntes Verhalten, welches durch Belohnung aufrechterhalten wird. Das geschieht durch Lob oder Vermeidung von negativen Konsequenzen. So führt ein gutes Essen zu Wohlgefühl, die Zigarette beruhigt uns, überdurchschnittliches Engagement bei der Arbeit trägt zum Erhalt des Arbeitsplatzes bei. Gemein ist, dass die Belohnung in unserem Gehirn durch die Ausschüttung von chemischen Botenstoffen gefördert wird. Für den Aufbau von Glücksgefühlen spielt vor allem Dopamin in Verbindung mit Noradrenalin und β-Endorphin eine zentrale Rolle, ebenso Serotonin. Die vermissen wir natürlich bei der Unterlassung von lieb gewordenen Gewohnheiten.
Ganz entscheidend für den Umsetzungserfolg ist die eigene Motivation. Viele Klienten kommen in die Hypnosepraxis, um sich das Rauchen abzugewöhnen, weil ihr Partner sie geschickt hat. Das funktioniert in der Regel nicht. Das Unterbewusstsein erkennt sofort: Das ist nicht mein Ziel! Es gibt aber ein paar Tricks, die uns helfen können, unsere guten Vorsätze umzusetzen:
Mache deine Ziele messbar: Einfach mal abnehmen ist kein konkretes Ziel. Doch kann ich mir Etappenziele stecken, wenn ich mir vornehme, in sechs Monaten zwölf Kilo abzunehmen. Das wären fünfhundert Gramm pro Woche, und die sind doch wohl zu schaffen, oder?
Konzentriere dich auf ein erreichbares Ziel: Das Verfolgen verschiedener Vorsätze kostet nicht nur viel Kraft, es kann unser Gehirn schlichtweg überfordern. Ziele sollten also realistisch und erreichbar sein, sonst tritt Frust auf.
Halte deine Ziele schriftlich fest: Eine Studie über erfolgreiche Absolventen der Havard University hat gezeigt, dass diejenigen Studenten im späteren Berufsleben überdurchschnittlich erfolgreich waren, die ihre Ziele vorher schriftlich festgehalten hatten.
Mache dir einen Plan: Der nächste Schritt nach der schriftlichen Ziel­fixierung: ein Umsetzungsplan. Bitte auf keinen Fall seitenlange Maßnahmenkataloge erstellen, eine Seite reicht völlig aus. Da steht dann zum Beispiel: Bis zum 31. Januar beim Fitnessstudio anmelden. Montag und Mittwoch 30 Minuten spazieren gehen …
Visualisiere die Veränderungen: Unser Unterbewusstsein liebt Bilder und kann dabei Fiktion und Realität kaum unterscheiden. So hat man beispielsweise festgestellt, dass Sportler ihren Erfolg immens steigern können, wenn sie neben körperlichem Training auch ihre Vorstellungskraft einsetzen.
Belohne dich für Teilerfolge: Wie schön ist es, wenn man von den geplanten zwölf Kilo bereits fünf geschafft hat. Eine Belohnung wie ein Kinobesuch oder eine Verwöhn-Massage ist dann durchaus angebracht.
Suche dir Verbündete: Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt der Volksmund. Eine Gruppe von gleichgesinnten Sportkollegen schafft Motivation. Was sonst eher zu Neid und Frust führt — der Vergleich mit anderen — kann so zu einem Ansporn werden.
Lass dir von Experten helfen: Manche guten Vorsätze lassen sich mit fachlicher Hilfe von ausgebildeten Therapeuten viel besser umsetzen. Dazu gehört beispielsweise das Thema „Rauchen abgewöhnen“ ebenso wie „Wunschgewicht“, „weniger Alkohol trinken“ und vieles mehr.

Wenn auch nur einer dieser Tipps passt, dann bitte auf jeden Fall anwenden! Denn nicht der Gedanke führt zum Erfolg, sondern die Tat!
Udo Gast ist Unternehmer, Trainer, Coach und Heilpraktiker für
Psychotherapie. Weitere Infos: www.gast-redner.de

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