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Jedem Soldaten seinen „Heimathafen“

geschrieben von Natascha Fouqet im Dezember 2016

Ein Stück „zu Hause“ für die Soldaten im Einsatz: Mit ihrer Weihnachts-Aktion „Heimathafen“ sendet die Lüneburger Künstlerin Ruth Weber ein Signal, dass unsere Soldaten auch von der zivilen Bevölkerung nicht vergessen werden

Im Oktober 2016 flogen rund 150 Soldatinnen und Soldaten des Lüneburger Aufklärungslehrbataillons 3 in den Einsatz nach Mali. Mit dem Abschied von der Heimat bricht für sie eine entbehrungsreiche Zeit an; Monate, in denen sie einen strukturierten Alltag in Sicherheit gegen einen Aufenthalt in einem von Krieg und Unruhen zerstörten Land eintauschen, ein Land, in dem Hungers­not und Armut herrscht und die Angst vor Anschlägen zum ständigen Begleiter wird — eine Belas­tung, die sich nur erahnen lässt. Doch wie viel Solidarität empfinden wir heute noch mit unseren Soldaten? Sind wir uns ihres Engagements, der Situationen, in denen sie sich während eines Auslandseinsatzes befinden, bewusst? Lassen wir sie unsere Wertschätzung spüren?
Die Lüneburgerin Ruth Weber setzt sich mit ihrem Projekt „Heimathafen“ für diese Wertschätzung ein. Seit langem beschäftigt sie sich mit dem Thema „Schutz“ und wendet sich mit ihrer Arbeit den Menschen zu, die sich für die Sicherheit anderer engagieren. Ihre erste Aktion war eine Postkarte, die die Illustratorin und gelernte Trickfilmanima­torin gestaltete, um sie mit einem Gruß versehen an Soldaten im Auslandseinsatz zu senden – ein kleines Symbol, das die Verbundenheit der Zivilbevölkerung mit „ihren“ Einsatzkräften ausdrücken sollte. Ihr aktuelles Projekt ging im Frühjahr 2016 in die Umsetzung. Der gebürtigen Österreicherin ist es wichtig, die Adressaten, also die Soldaten, einzubeziehen und die Ideen gemeinsam reifen zu lassen. Sie nahm Kontakt zum Lüneburger Aufklärungslehrbataillon 3 auf, Oberstabsfeldwebel Armin Fuhrmann wurde zu ihrem Projektpartner. „Als Frau Weber mit diesem ungewöhnlichen Anliegen an uns herantrat und um eine soldatische Meinung bat, brauchten wir nicht lange über die Sinnhaftigkeit nachzudenken. Ich fühlte mich angesprochen, fand die Idee großartig.“ Auch der Bataillonskommandeur Michael Hoppstädter zeigte sich begeistert.
Es folgte ein lebendiger Austausch mit den Soldaten über die ersten Entwürfe der Illustrationen und Tür-Skulpturen. Schließlich wurde die finale Version für die Aktion „Heimathafen“ aus der Taufe gehoben: Handtellergroße Türen aus Gips und Holz — allesamt handbemalt, allesamt Unikate. „Ein schönes Pendant zu der Uniformität, die sonst bei der Bundeswehr üblich ist“, so Armin Fuhrmann.
Hinter der Holztür befindet sich die von Ruth Weber gezeichnete „Skyline“ des Stints, im Vordergrund das stilisierte Zeichen — die gelbe 3 und das Pferd — der Lüneburger Aufklärer mit dem so genannten pausierenden Reiter. „Dieses Bild ist voller Symbolik“, erklärt Major und Bataillonsführer Frederik Vestergaard, der selbst mehrfach an Einsätzen teilgenommen hat. „Für unsere Soldaten hat dieses Bild einen hohen Wiedererkennungswert und stellt eine starke Verbindung zur Heimat dar.“

161 kleine Türen hat Ruth Weber gestaltet — so viele Lüneburger Soldaten werden über die Weihnachtstage in Mali und in weiteren Gebieten im Einsatz sein.

Die unverschlossene Tür ist als Synonym für ein unverschlossenes Herz zu verstehen. Auch die leuchtenden Farben sind bewusst gewählt. Ein ­frisches Grün tue der Seele gut, weiß Frederik Vestergaard. In trockenen Gebieten wie Afghanis­tan oder Mali sei das Umfeld von Erdtönen bestimmt, irgendwann habe man sich an Sand- und Tarn­farben satt gesehen. 161 dieser kleinen Türen haben Ruth Weber, ein Zimmerer und ihre freiwilligen Helfer gestaltet — so viele Soldaten und Soldatinnen werden über die Weihnachtstage im westafrikanischen Mali und in weiteren Gebieten im Einsatz sein; eine Zeit, in der jeder Soldat seine Familie wohl am schmerzlichsten vermisst. Jedem Kunstwerk liegt ein kleines Glas mit Salz als Symbol für die Salzstadt und das Leben bei, und natürlich auch eine von Ruth Weber illustrierte Postkarte, unterschrieben vom Bataillon, den Helfern und den 15 Sponsoren, die das Projekt finanziell ermöglicht haben. Rechtzeitig vor Weihnachten werden die Pakete dann ihre weite Reise antreten. Per Feldpost geht es zunächst nach Köln, von dort mit einer Militärmaschine nach Bamako, Westafrika, und von dort noch einmal 1.600 km per Lastwagen durch die Wüste. In jeder Hinsicht ein Mammutprojekt – eines, so Vestergaard, das in dieser Form bisher sicher einzigartig ist. „Bei uns hat es keine Tradition, dass zivile Menschen der Soldaten im Einsatz gedenken und ihnen ihre Wertschätzung zeigen. Daher war dieses Projekt von Anfang an mit sehr viel Emotionalität verbunden“, sagt Oberstabsfeld­webel Armin Fuhrmann rückblickend und hofft, dass mit dieser Aktion ein Stein ins Rollen gebracht wird. Schon ein Postkartengruß gebe oft so viel Kraft. In der alten Garnisonsstadt Lüneburg wäre dies doch ein wunderbarer Brauch, der, einmal ins Leben gerufen, sein Ziel nicht verfehlen würde! Wer nicht weiß, wie er’s anpacken soll, kann sich direkt an die Lüneburger Aufklärer wenden – auf offene Ohren trifft er dort jederzeit! Mehr über Ruth Webers Aktion „Heimathafen“ finden Sie unter www.ruth-im-maltrickhaus.de.(nf)

Fotos: Enno Friedrich

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