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Kormorane

geschrieben von Iene Lange im November 2018

„Raben der Meere“

Dass die Vögel sich zum Fang ihrer aus Fisch bestehenden Nahrung so mühelos unter Wasser bewegen können, liegt daran, dass ihr Gefieder nicht durch eine Fettschicht wie bei Enten- und Gänsevögeln geschützt ist. Daher müssen nach den Tauchgängen die Federn durch Wind, Luft und Sonne trocknen, daher zeigt sich der ­Vogel an Land oft in einer auffallenden Haltung, indem er seine Schwingen weit ausbreitet.
Der Kormoran ist in beinahe allen Regionen der Erde zu Hause. Dass er auch in unseren Breiten wieder häufiger zu finden ist, nachdem er im 19. Jahrhundert nahezu ausgerottet war, ist dem Einsatz des NABU und anderer Naturschutzverbände zu verdanken. Zu seinen natürlichen Feinden zählen der Seeadler oder auch der „eingewanderte“ Waschbär. Übrigens wird auch von Kormoranen behauptet, sie seien keine einheimischen Vögel. Dem widersprechen jedoch Knochenfunde aus der Eiszeit. Auch die Behauptung, der Kormoran fresse den Anglern die Fische weg, widerlegt Vogel­experte Heinz-Georg Düllberg vom NABU, Kreisgruppe Lüneburg. „Die Vögel fischen dort, wo es für sie leicht ist, an Beute heranzukommen ist. Dabei sind sie nicht wählerisch“. Das bedeute, sie verschmähen keineswegs die nicht marktfähigen Fische wie z. B. Rotaugen oder Brachsen. Ebenso stünden Kaulquappen auf ihrem Speiseplan. Aller­dings, so räumt auch Düllberg ein, könnten an Gewässern mit Teichwirtschaft durchaus Verluste entstehen, wenn Kormorane dort häufiger einfallen.
Nachdem der „Vogel des Jahres 2010“ immer mehr in die Kritik geriet, wurde schließlich auch in Niedersachsen im Jahre 2011 eine Verordnung erlassen, die besagt, dass Kormorane zwischen August und März in einem Umkreis von 30 Kilometern um Teichwirtschaften geschossen werden dürften. Diese Verordnung wurde zwischenzeitlich bis Ende 2019 verlängert. Das bedeutet schlicht und einfach: Kormorane dürfen weiter bejagt werden! Diese Maßnahme widerspricht jedoch der EU-Vogelschutzrichtlinie von 1979. Zudem kritisiert der NABU Niedersachsen aus Tierschutzgründen auch den zeitlichen Rahmen (August bis März). Einerseits könnten im August die Kormorane noch mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt sein, andererseits aber Ende März mit der Brut beginnen. Würden dann die Elternvögel erlegt, verhungern die Jungen elendig. So komme es leider immer wieder vor, erzählt Heinz Georg Düllberg, dass die Tiere außerhalb der erlaubten Abschusszeiten auch an Brutplätzen dennoch „abgeknallt“, Horstbäume gefällt und Nester mit Eiern zerstört würden. Die Diskussionen rund um diese Vögel gestalten sich nach wie vor äußerst widersprüchlich und werden oft emotional und subjektiv geführt.

Umso wichtiger ist es daher, mit konkreten Daten und Fakten aufzuwarten. Im Landkreis Lüneburg gibt es keine Brut-, sondern lediglich Schlafplätze, doch davon eine stattliche Anzahl. Die Zählung durch NABU-Mitglieder und freiwillige Helfer im vergangenen Oktober ergaben beeindruckende Zahlen: Gezählt wurden an verschiedenen Standorten im Elbvorland 180, in Alte Elbe/ Reineckenort 84 sowie in Artlenburg immerhin 69 Exemplare. Insgesamt waren es 397 gesichtete Vögel an drei Tagen im Oktober 2017. Ein Vogel wurde sogar in der Hansestadt am Kreidebergsee beobachtet.
Wie Düllberg betont, ist der Bestand nicht bedroht, andererseits auch keine Überpopulation zu befürchten. „Die Vögel vermehren sich nur in dem Maße, wie Futter für sie und ihren Nachwuchs vorhanden ist“, erklärt er. Fehle das Nahrungsangebot, würden sie ohnehin weiterziehen – im Winter in südliche Gefilde, angefangen von Süddeutschland über Spanien bis hin nach Nordafrika.
Wie kontrovers die Ansichten über die angeblich von Kormoranen angerichteten Schäden der Fischfauna – auch in natürlichen Gewässern – sein ­mögen: Bisherige Untersuchungen konnten dies indes nicht belegen. Auch – so Düllberg – fehlten exakte Daten über eventuelle Fraßschäden durch den Vogel. Daher fordere der NABU Niedersachsen, den Kormoran als Bestandteil der heimischen Gewässerökosysteme zu akzeptieren, der als geschickter Taucher nicht nur die heimische Flora bereichert, sondern auch Naturfreunde mit seinem eindrucksvollen Anblick im schwarz metallisch-­glänzenden Gefieder erfreut.(ilg)

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