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Lebensmittel retten, Menschen helfen

geschrieben von Irene Lange im Januar 2019

Die gemeinnützigen Tafeln sammeln überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte

In der Ausgabestelle der Lüneburger Tafel e.V. herrscht an vier Wochentagen ein reger Betrieb. Menschen, die am Existenzminimum leben und auf die Zuteilung von Lebensmitteln angewiesen sind, finden im Tiefen Tal eine Anlaufstelle, die von zahlreichen fleißigen Helfern mit Leben gefüllt wird. Das Angebot stammt aus den Spenden des örtlichen und regionalen Einzelhandels.
Allein in Deutschland landen über 10 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich im Müll, entweder stehen die Waren kurz vor ihrem Verfallsdatum oder man entsorgt sie, weil sie nicht der Nach­frage entsprechen – eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen. Trotz dieses Überflusses gibt es unzählige Menschen, deren Budget für das „täglich Brot“ nicht reicht. Für jene, die aufgrund ihrer Lebensum­stände von den Ämtern als bedürftig eingestuft wurden – Hartz IV-Empfänger, Geflüchtete, Menschen mit geringer Rente –, ist die Lüneburger ­Tafel eine segensreiche Einrichtung. Der einge­tragene Verein wurde durch die Initiative von Studenten 1995 in Lüneburg ins Leben gerufen. Die Idee stammte aus den USA, die erste Tafel eröffnete in Deutschland in Berlin.
In Lüneburg begann es mit Butterbroten und Getränken für Obdachlose. An verschiedenen Statio­nen wurden Lebensmittel ausgegeben, die als Spenden hauptsächlich von den Wochenmärkten stammten. Nach und nach schlossen sich auch Bäckereien, Einzel- und Großhändler sowie Drogeriemärkte und Discounter an. Inzwischen werden für die ­Lüneburger Tafel noch verwertbare Lebensmittel wie Brot und Gemüse vom Vortag, Milch und Joghurt kurz vor dem Verfalldatum oder Produkte, die keine Käufer finden, gespendet. „Etwa zwölf Tonnen im Monat, etwa 144 Tonnen jährlich kommen da schon zusammen“, berichtet die erste ­Vor­sitzende, Konstanze Dahlkötter, die mit Martina van Clewe und Cordula Kather den Vorstand des Vereins bildet. Unterstützt werden sie vielen hel­fen­den Händen – zum Teil aus dem Kreis der Bedürftigen – sowie von den Mitgliedern.

„Wöchentlich besuchen uns rund 400 Personen“, so Konstanze Dahlkötter, „hinter den Einzelper­so­nen stehen oft bis zu acht Familienmitglieder. ­Dies bedeute, dass etwa 1.000 bis 1.200 Menschen mitversorgt werden. Es liegt auf der Hand, dass die gerechte Verteilung der Lebensmittel eine straffe Logistik erfordert, um auch den Letzten in der Warteschlange nicht mit leeren Händen nach Hause entlassen zu müssen. Jeder „Kunde“, wie die Empfänger der Lebensmittel genannt werden, verfügt über einen sogenannten Tafelausweis. 2.000 Menschen sind es derzeit, wöchentlich kommen bis zu acht Neuanmeldungen hinzu. Obligatorisch ist jeweils ein Euro zu zahlen, zweimal wöchentlich darf „eingekauft“ werden. Damit es beim Warten gerecht zugeht, muss eine Nummer gezogen werden. Nicht selten entstehen sogar Freundschaften, während man sich im geräumigen Warteraum die Zeit mit einem Schwätzchen oder dem Skatspiel vertreibt. Die anfängliche Scham, auf Unterstützung angewiesen zu sein, gerät dabei schnell in Vergessenheit. „Vieles kann im Leben passieren, das einen Mensch in eine solche Lage bringt. Krankheit oder Arbeitslosigkeit sind da nur zwei Beispiele von vielen“, weiß Constanze Dahlkötter. „Schämen braucht sich dafür niemand!“ Dienstag bis Freitag ist die Lebensmittelausgabe geöffnet. Dienstags ab 12.30 Uhr herrscht grundsätzlich ein großer Andrang, „da stoßen wir mitunter an unsere Grenzen“, so die erste Vorsitzende. Am Mittwoch ab 13.00 Uhr geht es etwas ­ruhiger zu. Der Donnerstag ist um 11.00 Uhr für Rentnerinnen und Rentner ab 70 Jahren reserviert, während ab 13.00 Uhr die Ausgabe allein für Frauen vorgesehen ist. Freitags sind dann ab 13.00 Uhr wieder alle willkommen.
„Ohne die Unterstützung der Fördermitglieder und Sponsoren gäbe es die Lüneburger Tafel nicht“, betonen die drei Vorstandsdamen. Das Abholen, Sortieren und Verteilen der Lebensmittel erfordern Sorgfalt und Zeit, wobei auch die hygienischen Vorschriften eingehalten werden müssen. Auch die 33 Mitglieder und 41 ehrenamtlichen Helfer, die an mehreren Tagen in der Woche Lebensmittel mit dem PKW einsammeln, tragen maßgeblich zur ­Organisation der Tafel bei. Pro Jahr kommen da schon einmal 27.000 gefahrene Kilometer zu­sammen. Ihren Beitrag leisten auch Karin Calek – als angestellte Mitarbeiterin im Büro – sowie ­derzeit vier 2-Euro-Jobber aus dem Bedürftigen-­Kreis einen wertvollen Beitrag. Nicht zu vergessen seien auch die örtlichen und regionalen Firmen und Institutionen, die tatkräftig unterstützen, wie Daimler-Chrysler, die Sparkasse Lüneburg, die Lidl Pfandspende, sowie viele Privatspender. Dankbar sei man, dass die Lüneburger Tafel e.V. durch die Sieb & Meyer-Stiftung über die geeigneten Räumlichkeiten verfügt. Auch über die Spendenbereitschaft der Lüneburger freue man sich. Zusätzliche Hilfe ist jederzeit willkommen – ganz gleich, ob durch eine Geldspende oder indem Sie Zeit oder Waren zur Verfügung stellen.(ilg)

www.lueneburger-tafel.de

Fotos: Enno Friedrich

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