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Lieber nach Lüneburg!

geschrieben von Christiane Bleumer im Mai 2019

Ein ganz persönlicher Einblick in das Leben eines Gästeführers von Christiane Bleumer, Quadrat-Redakteurin und Lüneburger Stadtführerin mit Leib und Seele

Sonnabend, kurz vor 11 Uhr an der Lüneburg Marketing: Unzählige Menschen in gespannter Erwartung bevölkern den Platz am Rathaus. Stimmengewirr erklingt. Es wird gelacht und gescherzt. Reisebusse parken am Ochsen­markt vor dem Heinrich-Heine-Haus und der Volksbank. Es ist lebendig, es ist ein bisschen wuselig und es ist vor allem eines – voll. Mit einem Wort: Die Touristensaison hat wieder begonnen. Für die meisten Lüneburger Stadtführerinnen und Stadtführer gibt es ab jetzt eigentlich nur noch einen Aufenthaltsort: die Touristen-Information am Rathaus. Im Inneren werden Führungen besprochen, die Mitarbeiter in der Info klären Termine ab – und sehr häufig heißt es auch warten, warten, warten.
Viele Reisebusse treffen wegen der Verhältnisse auf den Straßen erst verspätet ein. Jetzt im Mai, in geringerem Umfang aber auch schon zu den Oster­feier­tagen, startet die neue Saison. Alle Gästeführer sind konzentriert und gut vorbereitet. Das Rathaus, ein Blick ins Senkungsgebiet, die St.-Nicolai-Kirche, der Stintmarkt und der Platz Am Sande sind die Schwerpunkte ihres Besichtigungsprogramms.
Auch ich gehöre zu den Stadtführern, die dort von den Touristen sehnsüchtig erwartet werden, um einen geführten Rundgang zu den baulichen Highlights zu machen. Dabei sind wir vieles in einer Person: nach einer umfassenden Ausbildung und strengen Prüfung natürlich vor allem versierte Kenner Lüneburgs, aber auch immer wieder Hobbypsychologen, Entertainer und auch selbst Zuhörer für die Geschichten der Gäste. Erkennbar am Tuch oder der Krawatte in blau-weiß-rot, den Lüneburger Stadt­farben, repräsentieren wir gemeinsam unsere wunderschöne Stadt. Das tun wir alle mit sehr viel Stolz. Es ist eine fordernde, aber auch sehr erfüllende Aufgabe, den Touristen aus ganz Deutschland und darüber hinaus die Geschichte und die Besonderheiten Lüneburgs nahezubringen.

Schließlich müssen wir uns auf jede Gruppe, ja eigentlich auf jeden einzelnen Touristen immer wieder neu einstellen, egal ob es Individualtouristen, Reisende von einem Flusskreuzfahrtschiff oder Kegler aus Thüringen sind. Es können die fröhlichen Gruppen aus dem Rheinland sein, die mit ihrem oft etwas derberen Humor einen ganzen Bus unterhalten können. Es gibt aber auch Gäste, die es schaffen, mir auf der kurzen Laufstrecke zwischen Rathaus und Nicolaikirche ihre gesamte persönliche Lebensgeschichte einschließlich dem Wohl und Wehe ihrer Hunde und Schwiegermütter zu erzählen. Wie gut, wenn dann andere Gäste in der Gruppe sind, die ziemlich direkt ihr Recht auf Information einfordern.
Auch die so genannten „Besserwisser“ finden sich ab und an in den Gruppen, doch glücklicherweise längst nicht so häufig, wie man es anfangs als Nachwuchsstadtführer befürchtet hat. Sie fallen durch Detailfragen auf und künden gerne von ihren viel­fältigen Reiseerlebnissen in anderen Städten und Ländern. Doch mit zunehmender Erfahrung gibt es eigentlich kaum noch eine Nachfrage, die mich aus der Ruhe bringen könnte. Und wenn diese weit gereisten Gäste dann das Holstentor in Lüneburg suchen, hat man als Stadtführer auf jeden Fall ge­wonnen – die Schadenfreude der anderen Reisenden nicht zu vergessen.
Meine wirklichen Lieblingsgäste aber sind auf jeden Fall die älteren Ehepaare, denen man bei jeder ­Geste und jedem Wort anmerkt, dass sie sich auch nach über 50 Jahren noch lieben und schätzen. Davon kommen sehr viele nach Lüneburg, und es ist immer eine Freude zu sehen, wie glücklich und dankbar diese Menschen sind, in ihrem hohen Alter noch so viel Freude und Schönheit zu erleben. Dafür lohnt sich jeder Einsatz!
Neben vielen anderen Spezialangeboten (siehe Infokasten) gibt es seit vielen Jahren die Führungen auf den Spuren der Telenovela „Rote Rosen“. Auch auf diesem Gebiet bin ich aktiv, schaue also die Serie regelmäßig und bin immer auf dem Laufenden, welche Intrigen und Verwicklungen gerade das Geschehen bestimmen. Wo sind die Drehorte, wer hat sich wo von wem getrennt und wie geht es wohl weiter – das sind brennende Fragen der Fans.
Besonders beliebt ist es natürlich, wenn man als Gästeführer ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern kann. Meine Begegnung mit Brigitte Antonius etwa, die ich kürzlich im realen Leben auf der Premiere der Oper „Der Rosenkavalier“ getroffen habe, begeistert die Gäste. Wenn ich dann noch mein Selfie mit „Johanna Jansen“ herumzeige, kennt die Begeisterung kaum noch Grenzen. Auch Gerry Hungbauer, der aus dem Lüneburger Stadtleben nicht mehr wegzudenken ist, ist immer wieder für ­einige Geschichten gut. Für viele Fans der Serie ist es kaum vorstellbar, dass „Thomas Jansen“ ganz normal hier lebt und unterwegs ist.
Lüneburg ist attraktiv und voll mit spannenden Geschichten. Ich bin jedenfalls immer sehr stolz, wenn ich die Begeisterung der Gäste spüre, wenn ich merke, wie sie in unsere wunderbare Stadt eintauchen und sich schon auf einen lauschigen Abend am Stint freuen. Zudem ist die Stadt kompakt und übersichtlich und darum ideal für Senioren. Der Andrang in unsere geschichtsträchtige Hansestadt ist daher ungebrochen. Deshalb heißt es jetzt wieder für viele Bewohner oder Markteinkäufer: etwas mehr Zeit einplanen, kleinere Umwege in Kauf und das zeitweise Gedränge mit Humor nehmen und sich über die Gäste freuen.
Wir Stadtführer lieben und schätzen sie jedenfalls alle – unsere vielen Lüneburg-Besucher. Denn wir brauchen sie! Deshalb, liebe Lüneburger und liebe Samstags-Shopper: In unserer Stadt wird es niemals Verhältnisse wie zum Beispiel in Venedig oder Dubrovnik geben. Lassen Sie uns alle willkommen heißen, die dazu beitragen, dass Lüneburg diese liebenswerte, lebenswerte und lebendige Stadt ist. Oder möchten Sie lieber in Castrop-Rauxel, Duisburg oder Salzgitter wohnen?

Fotos: Enno Friedrich

Stadtführungen in Lüneburg Wer Lüneburg besser oder neu kennenlernen möchte, dem bietet die Tourist-Information am Rathaus zahlreiche Stadt- und Erlebnisführungen an. Dabei können Sie die schönsten Ecken der mittelalterlichen Stadt entdecken und erfahren nebenbei Wissenswertes und manchmal auch Kurioses. Vielleicht ist die ­„Öffentliche Stadtführung“ das Richtige, die in der Saison jeden Tag um 11.00 und 14.00 Uhr und samstags zusätzlich um 11.30 angeboten wird. Der Kalkberg, die wunderschönen historischen Innenhöfe oder zum Beispiel das Senkungsgebiet sind die Ziele anderer An­gebote. Es gibt Führungen speziell für Kinder oder auch Rundgänge mit dem Roten Narr oder dem Henker, die eher für Erwachsene ge­eignet sind. Eine Infobroschüre informiert über alle Termine und Preise.

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