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Elisabeth Maske

geschrieben von Constanze Sörensen im Dezember 2011

Erste Lüneburger Lehrerin mit wissenschaftlichem Abschluss und erste Frau im Vorstand des MTV

Elisabeth Maske wurde am 12. Mai 1860 als Tochter des Stadtbaumeisters August Maske und seiner Frau Johanne als Älteste von fünf Geschwistern in Lüneburg geboren. Sie war ein zartes, unruhiges, doch gesundes Kind. Der Hausarzt sagte neckend über sie, sie habe Quecksilber in den Beinen. Sie liebte Bewegungen jeder Art. Als sie drei Jahre alt war, schaute sie aus dem Fens­ter ihrer Wohnung einer Akrobatengruppe in der Bäckerstraße zu und versuchte sofort, die Übungen nachzuturnen. Auch liebte sie das Tanzen. Den Besuchern im Elternhause zeigte sie gern und ohne Scheu ihre Kunststückchen. Elisabeths Mutter starb 1863 und hinterließ ihrem Mann die zwei kleinen Töchter. Der Vater beschäftigte sich sehr mit seiner Ältesten, und Elisabeth begleitete ihn auf die Baustellen, wo sie bald jeden Arbeiter vom Maurer bis zum Polier kannte. Großes Vergnügen bereitete es ihr, auf den Gerüsten herumzuklettern. Ihr Vater hatte Verständnis für ihren oft ungezügelten Bewegungsdrang, denn er selbst war in seiner Studentenzeit ein hervorragender Fechter, ein vorzüglicher Schwimmer und ein guter Schlittschuhläufer gewesen. Weil die kleine Elisabeth ein schwächliches Kind war, kam sie 1866 erst auf die Vorschule, ein Jahr später dann auf die Höhere Töchterschule neben der Johanniskirche. Erst sechzehnjährig begann sie am Lehrerinnenseminar in Wolfenbüttel ihre Ausbildung zur Lehrerin. Für die damalige Zeit war diese Entscheidung eher ungewöhnlich; ein Mädchen aus gutem Haus heiratete, bereitete ihrem Mann ein gemütliches Zuhause und zog die Kinder groß. Elisabeth aber hatte andere Pläne.

Die Ausbildung in Wolfenbüttel war spartanisch und streng. Zu ihrer Freude erhielten die jungen Frauen am Seminar Turnunterricht bei Turnin­spektor Hermann, der eigens aus Braunschweig wöchentlich herüber kam und der sie nach Musik turnen ließ. Nach glücklichen Jahren als Erzieherin auf einem schlesischen Rittergut und in der Schweiz kehrte sie 1889 nach Lüneburg als ordentliche Lehrerin an die Höhere Töchterschule zurück. Ein Bericht des Schulrates 1893 weist auf die vortrefflichen Erfolge von Fräulein Maske im französischen Anfangsunterricht hin. 1895 nutzte sie die Möglichkeit als weibliche Lehrkraft, durch ein Studium an der Augusta-Universität Göttingen ihre Berufsausbildung zu erweitern. Als einzige weibliche Studentin belegte sie die Studienfächer Französisch und Naturwissenschaften und aus Neigung zusätzlich noch Geschichte, Kunstgeschichte, antike Kultur und altdeutsches Wirtschaftsleben. Nach vier Semestern bestand sie die Abschlussprüfung. Das Staatsexamen legte sie extern in Berlin ab. Als Oberlehrerin kehrte sie 1897 nach Lüneburg an ihre Schule zurück, an der sie als geschätzte und von ihren Schülern geliebte Pädagogin bis zu ihrem Ruhestand 1925 lehrte.

Ihr Berufsleben war von vielen Reisen begleitet, die sie durch ganz Europa führten. Sie liebte es, Gedichte zu schreiben und übte mit ihren Schüler­innen von ihr geschriebene Weihnachtsmärchen und Theaterstücke ein. In der Zeit des Ersten Weltkrieges arbeitete sie zusätzlich im Lazarett, packte mit ihren Schülerinnen Soldatenpakete und fasste dort mit an, wo Hilfe nötig war.

Doch auch das Turnen, das schon in ihrer Kindheit ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens war, behielt neben ihrer Lehrtätigkeit einen hohen Stellenwert. In der Gesellschaft galt das Frauenturnen – auch als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Widerstände gegen die körperliche Erziehung von Mädchen nachließ – immer noch als abstrus. Nur wenige Monate nachdem Elisabeth Maske ihre Lehrtätigkeit in Lüneburg aufnahm, wurde sie 1890 Mitglied in der eben gegründeten Damenabteilung des Lüneburger Männerturnvereins (MTV). Da die Damenabteilung stetig wuchs, stand Elisabeth Maske dem Turnlehrer bald als Vorturnerin zur Seite. Da war es selbstverständlich, dass sie 1897 auch zur Vorsitzenden des ersten Damenabteilungsvorstandes gewählt wurde, allerdings noch ohne Stimme im Vereinsvorstand.

Nach dem Ersten Weltkrieg öffnete sich der Verein auf seiner ersten Hauptversammlung 1919 der modernen Entwicklung durch eine mutige Satzungsänderung und stellte die Frauen als gleichberechtigte Mitglieder neben die Männer. Elisabeth Maske wurde erstmals in der Geschichte Lüneburgs in den Vorstand eines Sportvereins als Vertreterin der Turnerinnen gewählt. Dieses Amt hatte sie bis 1932 inne und füllte es zum Wohle der Frauen und des gesamten MTV mit großem En­gagement aus. Anlässlich der 75-Jahrfeier des MTV 1923 erhielt sie als erste Frau die Ehrenmitgliedschaft.

Im Kreis und im Gau setzte sie sich genauso lebhaft für das Frauenturnen ein wie in ihrem Verein. Schon 1920 wurde sie als erste Frau in den Vorstand des Unter-Elbgaues gewählt, und nur ein Jahr später — am 29. Mai 1921 — wurde sie die gewählte „Vertreterin der Turnerinnen“ des Kreises Hannover-Braunschweig. Auch hier war sie die erste Frau im neuen Amt und für viele Jahre die einzige im Kreisausschuss. Während ihrer Amtszeit nahmen Frauen erstmalig 1921 an Wettkämpfen teil; 1926 wurde in Lüneburg ein erstes Kreisfrauenturnfest veranstaltet.

Sie turnte bis ins hohe Alter in der Frauenabteilung B, immer um Fortschritt bemüht, besuchte sie wiederholt Kurse für moderne Gymnastik in Hannover. Bis zu ihrem 70. Lebensjahr leitete sie die Frauenabteilung und überraschte wieder und wieder durch ihr Können und ihre Ausdauer.
Lia Maske schaffte es durch ihre Vereinsarbeit, dass dem Frauenturnen ein Platz im Männerbund eingeräumt wurde. Am 13.05.1930 empfing sie, einen Tag nach ihrem 70. Geburtstag, als erste Frau die „Ehrenurkunde der Deutschen Turnerschaft“. In dieser Ehrenurkunde heißt es: „Der Turnschwester Lia Maske vom Männerturnverein Lüneburg, die mehr als vier Jahrzehnte hindurch in hervorragendem Maße und mit vorbildlicher Liebe und Ausdauer das Frauenturnen im Verein, Gau und Kreis gepflegt, gefördert und betreut hat, dankt der Hauptausschuss der Deutschen Turnerschaft, indem er ihr — als zum ersten Male einer Frau — die Ehrenurkunde der DT verleiht.“

„Ich diente nur einer guten Idee. Das war es, was mich jung erhielt und mein Leben wertvoll machte.“ Mit diesen Dankesworten nahm Lia Maske die höchste Auszeichnung entgegen, die die Deutsche Turnerschaft verleiht. Auch in ihrem letzten Lebensjahr, als sie immer mehr von ihrer Krankheit gezeichnet wurde, kreiste ihr Denken um das Wohlergehen ihres Sportvereins. Fast täglich kam sie in die Halle und freute sich an dem turner­ischen Leben. Am 29. September 1937 starb sie in Lüne­burg.

Quelle: Constanze Sörensen
„Biographien Lüneburger Frauen“, 2005

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