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Michael Schreiber spielt mit dem Licht

geschrieben von Natascha Fouquet im April 2019

Was ist neu in der Galerie im Alten Kaufhaus? Monatlich werfen wir einen Blick auf ungewöhnliche Skulpturen und Bilder verschiedener Künstler. Das „Kunst-Stück“ des Monats widmet ihnen an dieser Stelle eine Bildbetrachtung

as Licht des Südens faszinierte Maler aller Epochen und dieser Faszination kann sich offensichtlich auch die Moderne nicht entziehen, wie die Arbeiten des Künstlers Michael Schreiber zeigen.
In seinem Werk finden sich Stillleben neben Landschaftsmotiven, vor allem aber spannungsvoll in Szene gesetzte Architektur. Seine Motivsuche führte ihn immer wieder in die Fremde. Italien wurde schließlich zu seiner Wahlheimat und steten Inspirationsquelle. Vor allem im Piemont und in Ligurien, der ­sichel­förmige Region im Nordwesten Italiens – bekannt für ihre farbenfrohen Fischerdörfer der Cinque Terre oder die mondänen Orte Portofino und Santa Margherita – stieß er auf malerische Vorlagen für seine Bilder. In Farbradierungen und Farblithographien fängt Schreiber die charakteristische Atmosphäre der Orte und ihrer Architektur ein, die teilweise morbide Stimmung alter Dörfer und Städte. Seine Kompositionen zeugen nicht nur von der perfekten Beherrschung der perspektivischen Darstellung, sondern auch von einem meisterlichen Umgang mit dem Spiel von Licht und Schatten. Eben diese Wirkung des Lichts zu erfassen, stellte für Michael Schreiber Zeit seines Lebens eine Herausforderung dar. In diesem Kontext ist auch der Titel dieser Radierung „Geteiltes Licht“ zu sehen. Es bezieht sich auf die Unterbrechungen des Lichteinfalls, welche von den Säulen auf dem Boden des sonnenbeschienenen Gangs erzeugt werden.
Michael Schreiber war nicht nur ein Meister der genauen Beobachtung, sondern auch ein Meister des Weglassens: Detailliert ausformulierte Bereiche treffen auf weiße Fläche, in denen er das Umfeld lediglich andeutet. Auf diese Weise fokussiert er, lenkt den Blick des Betrachters auf Teilstücke, die ihm wesentlich erscheinen. Obwohl der Mensch aus Schreibers Arbeiten regelrecht ausgeblendet wird, ist seinen Hinterhöfen und Zimmerfluchten, seinen Palästen und Villen jedoch eines gemein: Es sind Orte, die von Menschenhand erschaffen wurden, Orte des Wohnens, des Arbeitens und Feierns, des Lebens und Sterbens. Sie sind bildgewordene Zeugen desjenigen, der sie erbaute und bewohnte, der sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, und sind damit voller Informationen über Zeit und Sein, über Geschichte und Gegenwart, sind Spiegelbilder von so­zialen Zuständen und architektonischen Zeitströmungen. Die Anwesenheit des Menschen braucht damit keine bildhafte Form, sie schwingt in allen seinen Bildern mit.

Foto: Enno Friedrich

Künstlersteckbrief Michael Schreiber wurde 1949 in Bremen geboren, studierte an der Fachhochschule Bielefeld und an der Hochschule für Bildende Künste ­Berlin. Er ­verstarb 2012.

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