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Nächtliche Jäger

geschrieben von Irene Lange im Januar 2018

Totenvogel, Hexenbote oder Glücksbringer? Wie kaum ein anderer Vogel fasziniert die Eule seit jeher die Menschen in allen Kulturen

Eulen üben auf uns Menschen eine eigentümliche Faszination aus. Schon ihre Gestalt unterscheidet sie deutlich von anderen Vogelarten. Ihr Körper ist gedrungen, ihr Kopf auffällig groß, der Schnabel stark gekrümmt und scharfkantig. Ihre enorme Sehkraft ermöglicht es ihnen, ihre Beutetiere trotz großen Entfernungen zu orten. Die Augen selbst sind unbeweglich, stattdessen können die Tiere ihren Kopf bis zu 270° drehen, wodurch das Gesichtsfeld stark erweitert wird.
Schon Athene, die griechische Göttin der Weisheit, wurde in antiken Darstellungen mit einer Eule abgebildet. In den abendländischen Kulturen wurde der Vogel zum Unglücksboten und Verkünder des nahenden Todes. Der nächtliche „kuwitt“-Ruf des Steinkauzes wurde lange als „Komm mit“ verstanden. Man verspeiste die Greifvögel, um Krankheiten zu lindern, sah in ihnen die Manifestation des Satans oder verstand sie als Mittler zwischen den Welten, die der Seelenwanderung fähig waren. Die frühesten bekannten Eulen-Darstellungen befinden sich in einer Höhle in Spanien. Der Fund aus der Steinzeit beweist, dass diese Vögel offensichtlich schon während der frühesten Epoche der Menschheitsgeschichte eine besondere Relevanz hatten.
Doch die nachtaktiven Tiere schüren bei uns Menschen auch die Urangst vor der Dunkelheit. Ihr Schrei verursacht Gänsehaut, ihr lautloser Flug lässt sie für uns nahezu unsichtbar werden. Kaum ein Fluggeräusch ist zu vernehmen, wenn sie sich ihrer Beute nähern.
Im Lüneburger Raum wie auch im gesamten Bundesgebiet engagiert man sich mittlerweile aktiv für den Schutz von Eulenvögeln. Bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg setzt sich für diesen unter anderem Burkhard Jäkel ein, Volkmar Ziese und Dietmar Zücker sind beim NABU ehrenamtlich für den Eulenschutz tätig. Auch kranke und verletzte Tiere werden von ihnen – soweit möglich – aufgepäppelt und später wieder in die Freiheit entlassen. Erst kürzlich verletzte sich ein Uhu den Flügel, als er sich in einem Netz verfing; Angler hatten es auf einem Fischteich ausgelegt, um dem Graureiher den Zugang zu den ­Fischen zu verwehren. In der Greifvogelstation Bispingen kümmert sich Frigga Steinmann-Laage nach einer fachgerechten Behandlung durch eine Soltauer Tierärztin nun liebevoll um ihre gefieder­ten Patienten.

Wie Volkmar Ziese berichtet, gibt es im Lüneburger Umland derzeit vier nachgewiesene Uhu-Brutpaare, die geschätzte Bestandszahl liegt im gesamten Landkreis bei zwölf Paaren. Über 70 cm sind die Vögel groß und verfügen über eine Flügelspannweite von bis zu 180 cm. Ihre Mahlzeiten bestehen meist aus Ratten und Mäuse, doch auch Krähen stehen auf dem Speiseplan. Ein Paar hatte sich offensichtlich auf Igel spezialisiert, dies wurde anhand der Überreste und des Gewölles festgestellt. Die spitzen Stacheln des kleinen Säugetiers hatten die Jäger offensichtlich nicht davon abgehalten, sich auf lautlosen Schwingen zu nähern. Zum Feind Nr. 1 des eindrucksvollen Nachtjägers ist heute der Mensch geworden.
Zu den Schützlingen von Dietmar Zücker und Volkmar Ziese zählt auch die Schleiereule. Da der bis zu 35 cm große, hell gefiederte Vogel ein Höhlenbrüter ist, bevorzugt er geschützte Plätze in Gebäuden mit dunklen Nischen wie Dachböden, Scheunen, Ruinen oder Kirchtürme. In der Artlenburger Kirche haben die Eulenschützer bereits ­einen hölzernen Nistkasten angebracht; „den zu reinigen ist ein Abenteuer“, schmunzelt Volkmar Ziese. Schleiereulen ernähren sich hauptsächlich von Mäusen – falls denn genug vorhanden sind. Wenn in schneereichen Wintern die Schneedecke über zehn Zentimeter hoch liegt, beginnt für den Vogel eine „magere“ Zeit, die unter Umständen mit dem Hungertod enden kann. Schleiereulen-­Brutpaare werden immer seltener gesichtet. Zu erkennen sind sie meist an ihren eigentümlichen Zischlauten. Ihr auffälligstes Markenzeichen ist der „Gesichtsschleier“ aus hellen feinen Federn, die die großen schwarzen Augen umrahmen.
Erfreulich groß ist hingegen die Population des Waldkauzes im Landkreis Lüneburg, der übrigens auch zum Vogel des Jahre 2017 gekürt wurde. Diese Vögel brüten bevorzugt in Baumhöhlen oder in ungestörten Ecken von Gebäuden. Es sind reviertreue Tiere, die zudem in einer monogamen Beziehung leben. Zur Beute gehören vorwiegend kleine Säugetiere, aber auch Vögel, Frösche oder Kröten – was gerade so vor die Fänge kommt. Durch seine enorme Anpassungsfähigkeit ist der Waldkauz derzeit nicht gefährdet.
Mit ihren charakteristischen Federohren und den orangefarbenen Augen ist die Waldohreule leicht vom Waldkauz zu unterscheiden. Auch diese Art kommt im Landkreis Lüneburg häufiger vor. Sie ernährt sich hauptsächlich von Kleinnagern, verschmäht aber auch Vögel wie den Sperling nicht. Der knapp starengroße Sperlingskauz ist äußerst lebhaft und schnell. Daher gelingt es ihm, durch pfeilschnelle Überraschungsangriffe Kleinvögel zu schlagen, die bis zu Amselgröße reichen können. Wie vielseitig und faszinierend Eulenvögel sind, bringen Volkmar Ziese und Dietmar Zücker Interessierten übrigens auch auf ihren nächtlichen Eulen-Wanderungen nahe.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.nabu-lueneburg.de.

Fotos: Dietmar Zücker, Pixabay, Irene Lange

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