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Salz in der Medizin

geschrieben im Oktober 2017

Durch das Salz ist Lüneburg berühmt und mächtig geworden. Die prächtigen Häuser
unserer Altstadt, die jährlich Tausende Besucher anziehen, wären ohne das „weiße Gold“
undenkbar – für den 1. Vorsitzenden des Bürgervereins Lüneburg e.V. Anlass genug,
sich mit der einst so kostbaren Substanz näher zu beschäftigen. Von Rüdiger Schulz

In diesem Artikel soll es darum gehen, dass nicht nur zu viel Salz krank macht, sondern auch zu wenig. Ein zu hoher Salzverzehr wird unter anderem für einen zu hohen Blutdruck verantwortlich gemacht. Eine Studie der Universität Leuven bewies jedoch, dass auch zu fades Essen nicht gesundheits­fördernd ist. An 3.700 gesunden Erwachsenen, die bisher über keine Herz-­Kreislauf-Erkrankungen klagten, glaubte man nachweisen zu können, dass bei den Salzsparern in einem Zeitraum von durchschnittlich knapp acht Jahren die Sterblichkeit durch Herzinfarkt oder Schlaganfall gestiegen war. Bei denjenigen, die am wenigsten Kochsalz zu sich genommen hatten, wurde tatsächlich, so hieß es, das höchste Sterblichkeitsrisiko festgestellt. Dieses Ergebnis widerspricht allen gängigen Annahmen, denn wenn Kochsalz als Risikofaktor gilt, müsste sich ein Salzverzicht in niedrigeren Sterblichkeitsraten nieder-
schlagen. Andere Experten wiederum sehen diese Studie kritisch: Prof. Rolf Stahl, Direktor am Universitätsklinikum Eppendorf, wies darauf hin, dass nur etwa ein Drittel der Probanden an Herzinfarkt oder Schlaganfall gestorben sei, die Todesursache der anderen sei nicht geklärt. Ein anderer Wissenschaftler gibt zu bedenken, dass die Möglichkeit besteht, dass die Teilnehmer der Studie nur vermeintlich gesund gewesen seien, aber bereits unter Arterienverengungen litten, die noch keine Symptome verursacht hatten. Selbst eine bis zu 70-­prozentige Verengung bereite noch nicht zwingend Beschwerden. Prof. Martin Reincke, Direktor der medizinischen Klinik der Universität München, äußerte sich folgendermaßen: Die Auswirkung eines niedrigen Salzkonsums auf hohen Blutdruck seien durchaus begrenzt und würden überschätzt. Es sei unbewiesen, dass zu viel Kochsalz die Herz-Kreislaufsterblichkeit erhöhe, dies gehöre zu den ärztlichen Ammenmärchen.
Sicher ist bislang nur, dass Salz lebenswichtig ist, da es Wasser im Körper bindet. Prof. Stahl: „Nur mit einem ausreichenden Salzgehalt im Blut können wir Wasser im Körper halten. Deshalb haben wir auch eine eingebaute „Notbremse“ gegen zu hohen Natriumverlust: Die Nierenkanälchen bekommen über ein höchst komplexes hormonelles Regulationssystem die Anweisung, Natrium zurückzuhalten oder auszuscheiden.“ Jeder Mensch habe aber seinen individuellen Salzspiegel. Es gebe Menschen, die genetisch bedingt mehr Kochsalz binden als andere. Bei zu geringer Zufuhr von Salz könne das Gleichgewicht in eine Schieflage geraten. Für den einen könne dies zu deutlich überhöhten Werten führen, für den anderen aber bedeutet dies „Normalzustand“. Für einen blutdruckgesunden Menschen stellt die Aufnahme von sechs bis zehn Gramm Salz pro Tag kein großes Problem dar, so Stahl. Alles darüber hinaus könne vor allem für ältere Menschen problematisch werden, weil die Fähig­keit, Salz auszuscheiden, im Alter abnehme.
Eine blutdrucksenkende Wirkung hat Kalium, das in allen pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden ist; Obst und Gemüse können also dem Problem entgegen wirken. Schön, dass meines Wissens in Bier und Wein kein (oder kaum?) Salz enthalten ist, so dass davon keine Probleme mit dem Blutdruck drohen können.

Fotos: 123rf.com © vclements

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