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Schnee und Eis und schnelle Pferde

geschrieben von Viktoria Manzke im Dezember 2017

Der Winter naht mit kalten Schritten, und auch wenn uns die weiße Pracht hier im Norden eher selten erfreut, lohnt sich ein Blick auf rasanten Wintersport ganz ohne Abfahrt – aber auch mit Toren: Willkommen in der Welt des Snow Polo!

Glitzernder Schnee in weitläufiger Arena und schroffe Gipfel bilden die Kulisse für wendige Pferde, schnelle Schläge und temporeichen Mannschaftssport, umhüllt vom Glamour exklusiver Sponsorennamen wie Cartier, Maserati und Ferrari. Polo – gespielt auf Schnee und Eis – gehört zu den außergewöhnlichsten Sportarten der Welt. Doch im Mittelpunkt steht diesmal nicht der Player, sondern das Pferd. Gespielt wird u. a. in Österreich, der Schweiz, China und Frankreich. Doch was macht die Faszination dieser Sportart aus? Zunächst einige Worte zu den Regeln: Das Spielfeld ist in etwa siebenmal so groß wie das Spielfeld beim Fußballsport. Allerdings: Die Größe eines Polofeldes kann durchaus variieren; immer mehr Veranstalter lassen auf kleineren Feldern spielen. Der Vorteil ist die bessere Übersicht für Zuschauer; der Nachteil besteht in einem zwangsweise langsameren Spiel mit kürzerem Passspiel. Polo auf Schnee wird mit wenigen Ausnahmen auf kleineren Feldern ausgetragen, da die physische Belastung des meist auch in höheren Lagen gespielten Winterpolos für die Pferde noch anspruchsvoller ist als beim Sommerpolo auf Rasen. Snow Polo gilt als Arena Polo, hier ist das Feld durch Banden begrenzt.
Die 7,32 Meter breiten und nach oben offenen Tore zu treffen ist das erklärte Ziel, die wichtigste Regel lautet: Kein Spieler darf die Linie des Balls kreuzen.
Gespielt wird mit vier Spielern pro Mannschaft (beim Arena Polo mit drei) in meistens vier Spielabschnitten, den so genannten Chuckern. Ein Chucker dauert 7,5 Minuten, wobei wie im Eishockey die reine Spielzeit zählt. Während es sich für den Reiter gehört, die volle Spieldauer durchzuhalten, darf ein Pferd niemals in zwei Chuckern nacheinander eingesetzt werden; Schutz und Sicherheit der Pferde stehen im Polosport immer an erster Stelle. Löst sich beispielsweise eine Bandage des Pferdes, wird abgepfiffen. Beim harmlosen Sturz eines Reiters dagegen geht das Spiel weiter. Kurz gerechnet: Zwei Pferde sind das Minimum, was ein Polospieler an turniermäßigem Beritt zur Verfügung haben muss. Vier Pferde sind professionell – fünf optimal für den Fall der Fälle.
Für so manchen Zuschauer oder Poloanfänger völlig verwirrend: Nach jedem Tor wechselt die Spielrichtung. Der Ursprung dieser Regelung liegt in der Herkunft des Polos: In heißen und sonnigen Ländern konnten das blendende Licht ein echter Spielnachteil sein. Wer schon einmal in bei Sonne gleißenden Gebirgsschnee geschaut hat, wird wissen, dass auch im Snow Polo diese Regel ihre Berechtigung hat. Ist das Regelwerk verstanden, gilt: Ohne Pferd kein Polo, doch mit Reitkunst allein kommt man hier nicht weiter. Gefragt sind Technik, Taktik und intuitive Spielübersicht. Diese braucht übrigens nicht nur der Spieler. Die nervenstarken und mutigen Polopferde erahnen manches Mal intuitiv den nächsten Spielzug, während der Teamkollege im Sattel sich in Akrobatik üben muss, wenn es gilt, den Ball mit dem 51 Zoll langen Bambusstock aus vollem Galopp ins gegnerische Tor zu befördern. Übrigens: Weißer Ball in weißem Schnee? Natürlich nicht – beim Snow Polo hat der Ball rund 20 cm Durchmesser, ist leicht und knallrot, damit er gut zu sehen ist und nicht einsinkt.

Auf die längste Tradition — und wohl auch auf den Ursprung des Snow Polos — blickt St. Moritz zurück. Seit 1985 kämpfen auf dem zugefrorenen St. Moritzer See jedes Jahr vier Teams um die begehrte Cartier Trophy. In sportlicher Hinsicht kann dem St. Moritzer Snow Polo World Cup kein anderes Turnier das Wasser reichen: Es ist das einzige „High Goal“ Turnier auf Schnee und zieht daher jedes Jahr eine Reihe von Weltklassespielern an. Trotz den 1.800 Höhenmetern wird auf einem mehr als 200 Meter langen Feld gespielt, was Pferden und Reitern mental wie physisch viel abverlangt. Die Basis bildet ein über Wochen gepresster Kunstschnee, so dass die Polo­pferde mit speziellem Hufbeschlag auch bei den schnellsten Wendungen nicht ins Rutschen geraten. Die meisten tierischen Mitspieler sind übrigens Stuten, denn „die sind einfach härter im Nehmen als Männer“, so die schmunzelnde Trainermeinung international.
Neugierig geworden? Wenn es Sie Ende Januar in die Schweiz verschlägt: Vom 26. bis 28. Januar 2018 können Sie die mutigen Pferde und ihre zweibeinigen Mitstreiter bei traditionell freiem Eintritt in rasantem Spiel und Pulverschnee live verfolgen. Ein bisschen näher liegt Kitzbühel, dort findet vom 11. bis 14. Januar 2018 der Snow Polo World Cup statt — das weltweit größte Polo-Tournier auf Schnee.
Für jene, die in den Polo-Sport (auf Rasen) hineinschnuppern möchten: Deutschlands bester Spieler Thomas Winter betreibt im Westen der Hanse­stadt Hamburg seine Win PoloSchule, in der vom Schnupperkurs bis zum Profitraining jede Leistungsstufe vertreten ist (www.poloschule.de).(vm)

Fotos: Tony Ramirez / www.imagesofpolo.com

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