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Supernasen auf vier Pfoten

geschrieben von Iene Lange im Dezember 2018

Die Suchhunde der Lüneburger DRK Rettungsstaffel werden im gesamten niedersächsischen Raum angefragt

Sichtlich stolz ist Sabine Reincke aus Hittbergen auf ihren Rüden Dexter, den vier­jährigen Hovawart-Golden Retriever-Mix. Der hat nämlich gerade seine Prüfung zum Mantrailer bestanden und ist damit derzeit der einzige seiner Art in der Lüneburger Rettungshundestaffel. Bevor er aber für einen Sucheinsatz am Menschen quali­fiziert ist, muss er sich während seiner Arbeit einer polizeilichen Überprüfung unterziehen. Die zweijährige Rhodesian-Ridgeback-Hündin Dazi befindet sich ebenfalls in der Mantrailer-Ausbildung. Halterin Silke Felske hofft, dass auch sie im kom­menden Frühjahr die Prüfung meistert. Die Ausbildung der Vierbeiner ist nicht ohne: Zwei bis drei Jahre dauert es, bis die Hunde u. a. eine spezielle Geruchsdifferenzierung beherrschen. Maja, die kleine Cockerhündin von Alexandra Pieper, der verantwortlichen Ausbilderin für die Mantailer, ist nicht nur als Flächensucher trainiert, sondern – wie auch deren zweite Cocker-Hündin Heidi – geprüfter Therapiehund.
Die Mantrailer kommen zum Einsatz, wenn Personen hauptsächlich in bewohnten Gebieten gesucht werden. Oft sind es ältere Menschen mit Demenz­erkrankungen, die beispielsweise aus einem Alters­heim verschwunden sind, aber auch Suizidgefährdete und vermisste Kinder. Hilfestellung gibt dem Hund ein Kleidungsstück oder Gegenstand, der dem Vermissten gehörte. Zur Erinnerung: Die Nase des Hundes ist mit mehr als 200 Millionen Riechzellen ausgestattet, bei uns Menschen sind es ledig­lich 5 Millionen. Hat der Hund den individuellen Geruch der Person in der Nase und die Spur aufgenommen, wird er sie unbeirrt verfolgen, bis er fündig geworden ist. Selbst aufgeschrecktes Wild bringt sie nicht von ihrer Fährte ab.

Wenn sie eine Spur verfolgen, entwickeln sie einen großen Eifer, daher werden sie grundsätzlich an der langen Leine geführt, um den Kontakt zum Hundeführer nicht zu verlieren.
Für einen erfolgreichen Sucheinsatz braucht es ein fundiertes Training. Regelmäßig werden daher Übungen in verschiedenen Geländeformen vorgenommen. Alle Lüneburger Hundeführer und Helfer verfügen über eine DRK-Sanitätsausbildung und sind ehrenamtlich rund um die Uhr einsatzbereit. Die Suchhunde der Lüneburger DRK Rettungsstaffel werden im gesamten niedersächsischen Raum angefragt, im letzten Jahr haben sie 23 Einsätze gemeistert.
Neben den Mantrailern werden auch Flächensuch­hunde ausgebildet. Diese „arbeiten“ unangeleint und völlig selbstständig, häufig in weiterer Entfernung vom Hundeführer. Eingesetzt werden sie zumeist auf landwirtschaftlichen Flächen oder in Waldgebieten, um dort vermisste Personen aufzustöbern. Sind sie fündig geworden, machen sie sich durch Verbellen bemerkbar. Anschließend gibt es für alle – ob Mantrailer oder Flächensuchhund – das Highlight des ganzen Einsatzes und die Belohnung für den Erfolg: ein großes Leckerli oder das Lieblingsspielzeug! Ohne geht es nicht, denn Suchen macht zwar Spaß, soll aber auch belohnt werden.
Derzeit zählt die DRK-Rettungshundestaffel Lüneburg fünf einsatzbereite Flächensuchhunde, einen Mantrailer, neun weitere Hunde und drei Hundeführer in Ausbildung sowie drei Helfer ohne Hund. Diese sind ebenso wichtig wie die Hundeführer, denn sie unterstützen im Einsatz, beim Führen eines Fahrzeuges, sichern Straßen oder leisten Erste Hilfe. Nahezu jede Hunderasse eignet sich zur soge­nannten „Nasenarbeit“, doch nicht jeder ist für den Rettungsdienst geboren. Daher wird ein Anwärter einem speziellen Eignungstest unterzogen, wobei die Mindest- bzw. Maximal-Größe gegeben sein muss. Voraussetzungen sind eine gute Gesundheit und die erforderlichen Charaktereigenschaften wie Grundgehorsam, Sozialverhalten, Temperament, Stressstabilität und – ganz wichtig – ein großes Vertrauens­verhältnis zum Hundeführer.(ilg)
Fotos: Enno Friedrich

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