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Verwalterin der Lüneburger Geschichte

geschrieben von Irene Lange im April 2014

Geschichte, die fesselt: Von Lüneburgs Historie mag die Archivarin Dr. Uta Reinhardt auch in ihrem Ruhestand nicht lassen

Dass es die gebürtige Württembergerin Dr. Uta Reinhardt einmal ganz nach Norddeutschland verschlagen würde, lag daran, dass sie sich seit Jugendtagen für die Geschichte – insbesondere für das Mittelalter – interessierte.
Zwar stand für sie fest, dass sie nach dem Abitur Geschichte und Anglistik studieren wollte, ebenso sicher war sie sich jedoch, dass es sie beruflich weder in den Schuldienst noch in die Universität ziehen würde. So entschied sie sich nach dem Studium an den Universitäten Freiburg und Marburg mit der anschließenden Promotion für eine zweijährige Zusatzausbildung zur Archivarin am Institut für Archivwissenschaft in Marburg. Was sie faszinierte, war die Erforschung der Grundlagen, der Quellen. „Und im Archiv ist man ganz nah dran“, erläutert sie ihre damaligen Beweggründe. Während der Vorbereitung der Promotion war sie als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Marburg beschäftigt. Nach bestandener Doktor­arbeit erhielt sie die Zusage für die Stelle als Archivarin in Lüneburg. Die Verbindung zur Stadt kam durch ihren Doktorvater, Professor Walter Schlesinger, zustande. Bei ihm hatte die Stadtverwaltung seiner­zeit angefragt, ob er jemanden empfehlen könne. Er konnte, und Uta Reinhardt bewarb sich, wurde sozusagen „frisch von der Promotions-Bank“ angenommen. Bis heute sieht sie diesen Schritt als Fügung, hat ihren Entschluss, in den Norden Deutschlands zu ziehen, nie bereut.
Durch Besuche bei Studienfreunden in Hamburg und Exkursionen nach Lüneburg war ihr die Stadt nicht fremd. Das Archiv war damals noch im Rathaus untergebracht; seit Jahrzehnten wurde sein Inhalt bereits geordnet und zugänglich gemacht. Ein Archiv erhält aber ständig Zuwachs, die Arbeit in einem solchen gleicht also im positivsten Sinne einer nie enden wollenden Sisyphus-Arbeit. „Das Hereinholen von Unterlagen aus der Stadtverwaltung ins Archiv, ihre Bewertung und Verzeichnung sowie besonders die Zugänglichmachung für die Benutzer sind Kernaufgabe für Archivare“, betont Dr. Reinhardt.

Was sie faszinierte, war die Erforschung der Grundlagen, der Quellen – „Und im Archiv ist man ganz nah dran“.

Als sie 1973 ihre Arbeit begann, gab es noch keine Computer; die ersten wurden ab 1990 aufgestellt, und man fing zunächst an, neu hinzukommende Unterlagen und Daten elektronisch zu verzeichnen. Inzwischen werden seit einigen Jahren die alten Findbücher, das sind hand- oder maschinengeschriebene Verzeichnisse, umgestellt. Ohnehin wird heute jedes neue Archivale elektronisch erfasst. So müssen Unterlagen, die im Geschäftsgang in der Stadtverwaltung nicht mehr benötigt werden, dem Archiv angeboten werden. Hier wird geprüft, ob sie für die Nachwelt, sprich Ewigkeit, erhalten bleiben sollen. Allerdings sind diese Daten, Schriftstücke, Karten und Fotos nicht mehr nur Papier, sondern werden schon in digitaler Form angeboten.
Nicht zuletzt durch ihre Tätigkeit zählt Dr. Uta Reinhardt heute zu den Kennern der Lüneburger Historie. Neben anderen Veröffentlichungen hat sie auch das Urkundenbuch „Lüneburger Testamente“ herausgegeben, das 1996 erschien. Sein Material bezieht sich auf die aus dem Mittelalter stammende Verpflichtung, seinen letzten Willen vor zwei Ratsherren als Zeugen aufzusetzen. Eine Ausfertigung davon kam jeweils ins Archiv. Natürlich handelte es sich dabei um wohlhabende Bürger, die überhaupt etwas zu vererben hatten. Der Nachlass einiger Knechte und Mägde bildet dabei eine Ausnahme.
Nach ihrer Pensionierung vor gut fünf Jahren hat Dr. Reinhardt mehr Zeit, sich ihrem Privatleben zu widmen. Denn jetzt findet sie Zeit für gemeinsame Interessen und Hobbys, die sie mit ihrem Lebens­partner, dem Architekten Wolfgang Kluge, teilt. Da ist in erster Linie die Liebe zum Theater und zur Oper. Obwohl sie manche Aufführung in Hamburg besucht, freut sie sich doch darüber, dass ihr auch Lüneburg mit hervorragenden Aufführungen diese Möglichkeit geboten wird. Ihre Meinung: „Das Lüne­burger Theater hat eine alte Tradition und muss unbedingt als kulturelle Einrichtung erhalten bleiben.“
Eine weitere große Leidenschaft für Dr. Uta Reinhardt ist das Reisen. Während es früher vorzugsweise außereuropäische Länder wie Nordafrika, der Mittlere Orient oder China waren, soll es jetzt vorwiegend Europa sein. Aber auch die deutschen Regionen wie z. B. in der ehemaligen DDR oder an den Küsten sind als Reiseziele angestrebt. Außerdem verbessert sie seit vier Jahren in der VHS Lüneburg bei Giovanna Engel ihre Italienischkenntnisse.
Doch nicht nur ihre privaten Interessen stehen im Vordergrund. Sie ist aktiv im Förderkreis Industriedenkmal Saline Lüneburg, dessen Ziel es ist, die Arbeit des Deutschen Salzmuseums zu unterstützen. Sie ist auch Mitglied in der Hamburger Justus-­Brink­mann-Gesellschaft e.V., die das Museum für Kunst und Gewerbe unterstützt und sich der Förderung des zeitgenössischen Kunsthandwerks und Design widmet. Die Mitarbeit im Arbeitskreis Mittelalterliche Geschichte in der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen ist ihr wichtig. Ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus ihrem Berufsleben stellt sie der Stadt Lüneburg und anderen Interessenten jedoch trotz ihres „Ruhestands“ immer noch gern und oft zur Verfügung.(ilg)

Foto: Enno Friedrich

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