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Was feiern wir eigentlich an Ostern?

geschrieben im April 2019

Die Osterferien stehen vor der Tür. Zeit für Ferien und natürlich für Ostereier und Osterhasen.
Aber was feiern wir eigentlich an Ostern? Und woran erinnern wir an den Tagen davor? Ganz kurz zusammengefasst: An diesen Tagen denken Christinnen und Christen weltweit an den Tod Jesu und feiern seine Auferstehung. Zusammen mit Karfreitag ist der Ostersonntag das Zentrum des christlichen Glaubens, der formal höchste christliche Feiertag
Von Dr. Dorothea Noordveld-Lorenz und Dr. Diederik Noordveld*

Gründonnerstag — das letzte Mahl
und das erste Abendmahl
Die dramatische Geschichte um den Tod und die Auferstehung Jesu beginnt mit einem Abendessen: Jesus zieht mit seinen Jüngern nach Jerusalem, um dort das Passafest zu feiern, das Fest zur Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten – ein fröhliches Fest, das gemeinsam mit Familie und Freunden gefeiert wird.
Die Jünger haben das Essen vorbereitet, nun sitzen alle zusammen. Die Evangelien erzählen, dass Jesus weiß, dass Judas ihn verraten und verkaufen wird und damit sein gewaltsamer Tod bevorsteht. Jesus weiß, dass auch Petrus ihn verleugnen wird, und trotzdem löst er die Gemeinschaft nicht auf. Jesus bleibt am Tisch mit den Menschen sitzen, die ihn verraten und im Stich lassen, die schuldig werden. Für Gott muss ich nicht makellos, perfekt und ein besserer und besonders frommer Mensch sein. Auch diejenigen, die enttäuschen, die schuldig werden und Vergebung brauchen – und das gilt letztlich für jede und jeden – gehören zur Gemeinschaft dazu.
Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern wird zum ersten Abendmahl, das wir bis heute feiern. Denn Jesus gibt seinen Jüngern Brot und Wein als Zeichen für die weiterbestehende Gemeinschaft unterein­ander und mit ihm über seinen Tod hinaus, als Erinnerung an sein Leiden und Tod und als Zeichen für die Vergebung von Schuld. Gründonnerstag erinnert an dieses letzte Mahl und erste Abendmahl. In vielen Gemeinden wird deswegen ein sogenanntes Tischabendmahl gefeiert: Gemeinsam wird an einem Tisch gegessen und getrunken, beim Essen wird das Abendmahl gefeiert und so an den besonderen letzten Abend Jesu mit seinen Jüngern erinnert.

Karfreitag – Kreuzigung
An Karfreitag denken Christinnen und Christen zurück an die Leidensgeschichte Jesu von Nazareth, die in seinem Tod am Kreuz gipfelte. Soldaten richten ihn auf Befehl des römischen Stadthalters Pontius Pilatus hin. Eine Aufschrift auf dem Kreuz gibt Majestätsbeleidigung als Grund des Urteils an: „Jesus von Nazareth, der Juden König.“ In St. Johannis wird seines Todes mit Orgelmusik zur Sterbestunde (15 Uhr) gedacht und die Kantorei führt um 19 Uhr das Passionsoratorium von Ludwig van Beethoven sowie das Stabat Mater von Joseph Haydn auf.
Tod und Sterben gehören in unserer Gesellschaft zu den letzten Tabus. Viele Menschen haben noch nie eine tote Person gesehen geschweige denn berührt. Das hat damit zu tun, dass das Sterbebett immer seltener im heimischen Schlafzimmer steht. Gestorben wird in Krankenhäusern und Altenheimen, wir haben den Tod sozusagen aus unserem Leben outgesourct.
Karfreitag rückt mit dem brutalen Tod Jesu am Kreuz die Endlichkeit des Lebens schonungslos in den Mittelpunkt: Alles, was mich ausmacht und alles, was ich tue wird eines Tages nur noch Vergangenheit sein. Einmal wird es still in jedem Leben.
Karfreitag ist deswegen bundesweit ein stiller Tag. Das gilt auch für andere Tage, die uns an unsere Endlichkeit erinnern: Volkstrauertag und Totensonntag.
Zugleich steht Ostern schon im Hintergrund: Das Leben endet mit dem Tod, aber der Tod ist aus christ­licher Sicht nicht das Ende.

Karsamstag – Totenstille
Nach seinem Tod wird Jesus vom Kreuz abgenommen und sein Leichnam in ein Felsengrab gelegt. Aus und vorbei ist sein Leben, er ist „gestorben und begraben“ – wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt. Es herrscht Totenstille.
Die Jüngerinnen und Jünger trauern und wissen nicht weiter. Mit Jesu Tod sind alle ihre Hoffnungen verflogen. Sie verstecken sich, weil sie Angst vor Repressalien haben.
Die Hoffnung stirbt aber zuletzt. Neben der Trauer über den Tod Jesu ist ein Licht am Horizont zu sehen. Der Karsamstag mündet in die Feier der Osternacht. Karsamstag ist somit das Scharnier zwischen Karfreitag und Ostersonntag: Er führt aus der Trauer und der Enttäuschung ins Leben.

Ostern – Auferstehung
Nachdem Tod und Dunkelheit die Tage bestimmt ­haben, beginnt der Ostermorgen mit einem Lichtschein. Bei Anbruch des Tages machen sich Frauen auf den Weg zum Grab, um Jesu Leichnam zu salben. Doch das Grab ist leer.
Wie die Auferstehung genau passierte, schildert die Bibel nicht. Die Frauen sehen nur noch das Ergebnis: das leere Grab und einen Engel, der spricht: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ Die Evangelien berichten von unterschiedlichen Reaktionen auf diese Botschaft: Furcht oder eine Mischung aus Furcht und Freude, Unglaube, Abwehr und Verleugnung – diese Botschaft war schon immer unglaublich. Im wahrsten Sinne des Wortes und gleichzeitig unglaublich großartig: Der Tod, Abbruch und Ende aller Beziehungen, alles Lebendigen, hat nicht das letzte Wort über das Leben.
Die Auferstehung ist aber keine Wiedergeburt, keine unendliche Verlängerung des Lebens. Sie betrifft das gelebte Leben. Auferstehung bedeutet, dass mein Leben, meine Geschichte mit dem größten Glück und tiefsten Wunden, mit seiner Gemeinschaft und Einsamkeit bei Gott ist — verwandelt und versöhnt. Die Wunden sind da, aber schmerzen nicht mehr. Das Glück leuchtet und strahlt und verflüchtigt sich nicht und die offenen Enden meines Lebens finden sich zusammen. Ostern, die Auferstehung Jesu ist der Grund für diese christliche Hoffnung über das Leben hier und jetzt hinaus.

* Unsere Autoren
Dr. Dorothea Noordveld-Lorenz (39) und
Dr. Diederik Noordveld (40) werden am 7. April als erstes Pastoren-Ehepaar der St. Johanniskirche in ihr Amt eingeführt. Die beiden sind dann für das Rote Feld, Wilschenbruch und
das Hanseviertel zuständig. Die Noordvelds
haben zwei Töchter (2 & 5 Jahre alt).

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