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„Wo Menschen Vertrauen haben, wird gut gearbeitet!

geschrieben von Udo Gast im Dezember 2018

Ich betrete die „Kommandozentrale“ des Drogeriemarkt-Imperiums von Dirk Roßmann in Burgwedel. Der Empfang beim Chef ist ausgesprochen herzlich, obwohl wir uns zuvor erst einmal begegnet sind. Ich starte meinen Fragenkatalog und möchte wissen, was es bedeutet, wenn man als Zwölfjähriger seinen Vater verliert und früh in der Verantwortung für seine Familie steht? „Es war nicht nur der Tod des Vaters. Die ganzen Lebens­umstände haben mich geprägt. Ich wurde 1946 geboren, Hannover war zerstört. Viele Menschen waren verzweifelt, viele versehrt. Da war keine Zuversicht, keine Lebensfreude oder Leichtigkeit“, so der Unternehmer.
Dirk Roßmann kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Früh hat er die Herausforderungen des ­Lebens angenommen – und dies ohne eine lange Schullaufbahn. „Ich war kein sehr guter Schüler und ich habe nur den Volksschulabschluss, wie man damals sagte. Mit 14 Jahren habe ich eine Dro­gistenlehre begonnen, mit 17 stand ich mit meiner Mutter in unserem kleinen Laden. Die Mutter kränkelte, der Vater war tot, mein Bruder studierte. Die Großeltern väterlicherseits lebten auch von dem Geschäft.“ Was den jungen Drogisten antrieb, war Neugier und Wissensdurst. „Ich lernte nur, was mich interessierte, und das war schon früh die Literatur.“ Den Grundstein für seinen unternehmerischen Erfolg legt Dirk Roßmann im Alter von 25 Jahren. Am 17. März 1972 eröffnet er in Hannover den „Markt für Drogeriewaren“.
Tiefergehende Fragen zur Lebensgeschichte gehen ins Leere. „Herr Gast, das können Sie alles in meiner Biographie lesen!“ Diese liest sich übrigens überaus spannend und authentisch. Der Titel lautet: „Und dann bin ich auf den Baum geklettert!“, erschienen ist sie im Oktober dieses Jahres im Ariston Verlag.
Zurück in die Gegenwart. Das Familienimperium Roßmann beschäftigt europaweit mehr als 55.000 Mitarbeiter in rund 3.700 Filialen, davon macht Deutschland mit 2.150 Standorten den Löwenanteil aus. Entwicklungschancen im Drogeriemarkt sieht Roßmann kaum. „Der Markt ist konsolidiert. Es gibt nur noch vier Drogeriemarktunternehmen, wobei Müller mehr ein Kaufhausunternehmen ist.“
Wir wenden uns dem Thema Mitarbeiterführung zu. Die riesige Zahl an Mitarbeitern bedeute doch eine enorme Verantwortung, die auf den Unternehmerschultern ruht. „Wir alle teilen uns die Arbeit, und wir teilen auch die Verantwortung“, erklärt Roß­mann bestimmt. Die Geheimnisse erfolgreicher Führung? „Wenn Menschen etwas gemeinsam auf die Beine stellen möchten, dann ist eines unabdingbar: Vertrauen. Vertrauen entsteht durch Ehrlichkeit, durch Beständigkeit, durch Engagement, dadurch, dass man auch Interesse für den Anderen hat und zuhört. Wo Menschen Vertrauen haben, wird unglaublich gut gearbeitet.“ Das Interesse an dem Anderen ist auch außerhalb der Unternehmens­mauern vorhanden. „Wir gehen regelmäßig mit Mitarbeitern essen, dann wird auch nicht über die Firma gesprochen, das ist dann wirklich privat.“
Dirk Roßmann bezeichnet diese Termine scherzhaft als „Management by Mittagessen“ – und das ist noch nicht alles. „Wir organisieren viele Seminare fürs Mittelmamagent, fürs Topmanagement, in denen es beispielsweise darum geht, wie eine Kommunikation aussehen könnte, in der Achtsamkeit und Respekt im Mittelpunkt stehen.“ Klingt nach einem idealen Führungsstil. Aber wird auch gelebt, was der Firmenchef preisgibt? Das konnte ich schon vor unserer Begegnung überprüfen. Bei einem Spiegel-­Interview in der Leuphana Universität nutzte ich die Gelegenheit, um drei Lüneburger Filialmitarbeiterinnen über ihren Chef zu befragen. Mit leuchtenden Augen berichteten Lisa F., Kathrin K. und Yasmin W. über das angenehme Arbeitsklima, den wert­schätzenden Umgang und die vielen Fortbildungsmöglichkeiten.
Auf Statussymbole steht der erfolgreiche Unternehmer hingegen gar nicht. Seinen Reichtum sieht man ihm nicht an. „Meine Frau sagt immer: Sag nicht reich, sag vermögend! Ein neues Auto kaufe ich mir alle acht Jahre. Ich will bequem von A nach B kommen. Neue Automodelle sind für mich völlig unwichtig, weil es nichts mit meiner Lebensfreude zu tun hat.“
Seine Steuern zahlt Roßmann konsequent in Deutschland – und es ärgert ihn maßlos, wenn einige Unternehmen ­dies nicht tun. „Jeder Arbeitnehmer zahlt Steuern. Deshalb ärgert es mich umso mehr, dass sich viele große Unternehmen nicht daran halten. Riesenumsätze, Riesenprofit, aber hier kommt nichts an.“
Unternehmerische Verantwortung endet bei Roßmann nicht bei der Steuer. Er engagiert sich in der deutschen Stiftung für Weltbevölkerung, dem deutschen Kinderhilfswerk und der Leselernhilfe. Ein Projekt liegt ihm besonders am Herzen: „Klasse! Wir singen“
„In den Schulen wird ja alles über die digitale Welt gelehrt, doch miteinander zu singen ist ein echtes Stück Freude. Unsere Welt besteht nicht nur aus Lernen und Informationen, sondern vor allem aus einem sozialen Miteinander.“
Wie reich wäre unsere Gesellschaft, wenn wir mehr Unternehmer mit Verantwortung und Gespür für das soziale Miteinander hätten!

— Unser Autor Udo Gast ist Unternehmer, Trainer, Coach und Heilpraktiker für Psychotherapie. Die Highlights des Interviews finden Sie als Video unter www.gast-redner.de/rossmann.

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