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Working Dogs

geschrieben von Irene Lange im September 2017

Einen guten Job machen sie anschließendnicht nur bei Schafherde – auch eine Gruppe von Laufenten wird mitunter zum Übungs-Objekt ernannt

Es ist ein beeindruckendes Erlebnis, die Border-­Collies von Nadine Quinn bei ihrer Arbeit als Hütehunde zuzusehen. Schnell wie ein Pfeil schießen der Rüde Joe und die Hündin Brae auf Pfiff über die Weide, bevor sie in ge­duckter Haltung und mit hypnotisierendem Blick die Schafe und Ziegen ins Visier nehmen, die Tiere dann in schnellem Lauf umkreisen und zusammentreiben. Im Pulk lässt sich die Herde nun in die gewünschte Richtung lenken.
Obwohl Border-Collies die Hüte-Eigenschaften sozusagen in den Genen liegen, brauchen sie dennoch ein fundiertes Training — nicht nur um ihren angeborenen Arbeitseifer, der sie manchmal bis an den Rand der Erschöpfung bringt, unter Kontrolle zu halten. Ursprünglich stammen sie von mittel­alterlichen englischen Hütehunden ab. Gezüchtet wurden sie in jüngerer Zeit auch in den Grenz­gebieten zwischen Schottland und England, den Border Counties. Was diese Hunde auszeichnet, sind ihr anmutiges Erscheinungsbild und ihre ausgesprochene Intelligenz, gepaart mit hoher Lernwilligkeit. Ein Blick in die sprechenden, wachen Augen sagt viel über den außergewöhnlichen Charakter dieser liebenswerten Tiere aus.
Schon als Kind hatte Nadine Quinn ihr Talent entdeckt, Hunde zu trainieren und bis vor 13 Jahren in verschiedenen Vereinen ehrenamtlich entsprechende Kurse gegeben. Damals lebte sie noch in Bad Pyrmont und arbeitete in einem kaufmännischen Beruf. In dieser Zeit begegnete sie ihrem späteren Ehemann Ryan, einem gebürtigen Iren, der schon damals Schafe im Nebenerwerb hütete. Seit zehn Jahren leben sie in Schneverdingen, weil Ryan Quinn als hauptberuflicher Schäfer bei der Stiftung Naturschutz Park Bispingen angestellt und für eine von deren sieben Schafherden ver­antwortlich ist. Die Familie lebt auf dem großen Anwesen der Stiftung in einer Dienstwohnung. Das passt, denn die räumlichen Gegebenheiten im Außenbereich ermöglichen Nadine Quinn nicht nur die Züchtung der Border-Collies, sondern auch eine eigene kleine Schafherde auf einer gepachteten großen Weide zu halten. Von einstmals fünf Tieren ist die Herde mittlerweile auf rund 250 Schafe und Ziegen angewachsen. Zu ihrem „Team“ ge­hören außerdem vier Border-Collies, während ihr Ehemann ebenfalls vier eigene Hunde hält.

Border-Collies fordern Konsequenz von ihren Menschen – zu denen sie eine sehr enge Bindung aufbauen – Und wollen gefordert werden.

Border-Collies fordern Konsequenz von ihren Menschen, zu denen sie eine sehr enge Bindung aufbauen – und sie wollen gefordert werden, sowohl körperlich als auch geistig. „Daher lege ich großen Wert darauf, Welpen nur an Menschen abzugeben, die bestenfalls selbst Vieh haben, damit die Hunde ausreichend gefordert sind“, betont die Hundetrainerin.
Border-Collies verfügen über den bekannten unermüdlichen Arbeitseifer — und ganz offensichtlich scheint dieser auch auf ihre Halterin abzufärben, die immerhin vier noch recht kleine Kinder zu versorgen hat: Gänse, Hühner und Laufenten und natürlich ihre Herde. Nicht zuletzt der Schutz vor dem Wolf macht es notwendig, die Schafe und Ziegen alle zehn bis zwölf Tage auf wechselnde Weideflächen zu führen und die jeweils gut 1,5 Hektar mit einem Elektrozaun zu versehen, eine Arbeit, die jeweils mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Doch damit nicht genug: Seit einigen Jahren bietet Nadine Quinn deutschlandweit Hütevorführungen an. Sie möchte damit den Zuschauern die professionelle Arbeitsweise der Border-Collies näherbringen, ihre bewundernswerte Geschicklichkeit, ihre Verlässlichkeit und Ausdauer, wenn sie ihre Herde umkreisen, um sie beisammen zu halten. Auch hält sie von Zeit zu Zeit Seminare für Anfänger und Fortgeschrittene in der Hundeausbildung.

„Meine Hunde sind für mich Familienmitglied, beste Freunde und Arbeitskollegen“, erklärt Nadine Quinn die unerschöpfliche Freude an ihrer Arbeit. So ist immer etwas los auf dem Hof der Familie Quinn, deren Kinder in beneidenswerter Freiheit naturnah mit den Tieren aufwachsen dürfen. Oft kommen andere Kinder zu Besuch, vor allem dann, wenn die Lämmer gefüttert werden. Spaß haben sie auch mit den Zwergziegen, denen sie kleine Kunststücke beibringen. Bei all dem Trubel, der sie oft umgibt, findet Nadine Quinn auf der Weide bei ihren Schafen und Ziegen Ruhe und Entspannung. Sie sagt: „Das ist dann die wohltuende Entschleunigung in meinem Leben“.(ilg)

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